07.04.2021

Der Mars

 Neugierig sind wir schon. Neugierde kann ein starker Antrieb sein nachzufragen, zu forschen und auszuprobieren was möglich ist – auch die eigenen Grenzen zu testen.


Gestern, Landung von Wissenschaftsmaterial und -geräten auf dem Mars, um zu erforschen ob es dort Leben gibt oder gab. Respekt, die Landung auf dem erdähnlichen Planeten, eine technische  und wissenschaftliche Meisterleistung, hat geklappt.

Trotzdem bleiben für mich Fragen. Vor allem Fragen nach dem Sinn und Nutzen solcher Erforschungen. Neugierde in allen Ehren. Wissenschaftliche Herausforderung für wen, für was, mit welchem Wert? Ich kann es, ohne mit der Wimper zu zucken, als einen völlig sinnlosen Unfug abtun. Es macht keinen Sinn, Möglichkeiten zu suchen, zu erforschen, unter welchen Bedingungen Menschen in der Lage sein könnten, eines Tages auf dem unwirtlichen Mars zu leben. Die Begleitmusik für eine solche Mission, wird für unser Leben, das Zusammenleben hier auf Erden,  eher schrill und ungenießbar klingen.

Menschen, nach Gottes Ebenbild geschaffen, sind Erdlinge, für das Leben auf der Erde geschaffen. Was wollen wir also dort, wo Bedingungen für menschliches Leben nicht vorhanden sind? Da fällt mir ein sehr irdischer Spruch ein: „Wenn es dem Esel zu wohl ist, dann geht er aufs Eis“. Es ist sehr dünnes, zu dünnes Eis dort, für das Leben eines Menschen auf dem Mars.

Allein die Forschungsexpedition Mars der NASA wird auf rund 17 Milliarden Dollar geschätzt. Ich überlege, ob es nicht sinnvoller wäre, diese, horrende Summe und die dafür aufgewendete Intelligenz, für die Lösung unserer drängenden irdischen Probleme zu investieren. Mir fallen auf Anhieb der Hunger in der Welt oder unsere ökologischen und klimatischen Probleme ein, die unsere Erde zusehends zerstören.

Aber wir, Cool, wie wir sind,  pflegen den Menschheitstraum vom Leben auf dem Mars. Wir sind bereit dafür Leben einzusetzen, um in unwirtlichen und menschenfeindlichen Verhältnissen zu überleben. Wir geben für diese Utopie Unsummen an Vermögen und Ressourcen aus – und sind auf der anderen Seite bereit, auch dafür unsere wunderschöne Erde auszuplündern und zu zerstören. Es will mir nicht in meinen Kopf gehen.

Unser Schöpfer hat für uns, seine Menschen, einen wunderschönen Garten erschaffen, mit allem was der Mensch braucht um Leben zu können und glücklich zu sein. Er will, dass wir diese Schöpfung für uns nutzen und bewahren. Nutzen und nicht ausnutzen, durch anhäufen von Dingen wie Luxus, Wohnungen und Häuser mit denen wir persönliches Prestige wahren wollen; und dem ansammeln von gewaltigem Vermögen, das uns Macht und Einfluss ermöglicht. Wir brauchen solches bestimmt nicht zu einem sorgenfreien und glücklichen Leben.

Ich bin gewiss, dass wir auch den Mars nicht brauchen. Vielmehr erinnert mich das sehr an die biblische  Geschichte des Turmbaus zu Babel: „Wohlauf, lasst uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reiche, dass wir uns einen Namen machen; denn wir werden nicht über die ganze Erde zerstreut, weil der Turm unser Mittelpunkt ist und uns zusammenhält“. (1. Mose 11,4) Wollen wir uns, mit unserem Mars-Projekt, auch einen solchen Namen machen? Gottes Antwort: „Da fuhr der HERR hernieder, dass er sähe die Stadt und den Turm, den die Menschenkinder bauten“. (1. Mose 11,5) Gott muss erst aus dem Himmel herabfahren um das „großartige Werk“  überhaupt zu sehen und zu besichtigen, auf was sich Menschen so viel einbilden und erhoffen, damit ihr Schicksal beeinflussen zu können und ohne Gott, durch einen Turm stark zu sein und Zusammenhalt zu haben. 

Jetzt, tausende Jahre Menschheitsgeschichte später, hat sich wohl im Wesen der Menschen nicht viel geändert. Man will sich einen Namen machen. Das kann man im Jahre 2021, indem man zum Mars fliegt. Man braucht Gott nicht mehr und auch nicht seine Erde. Sie dient lediglich als Ersatzteillager für den Aufbau einer neuen Wohnstätte des Menschen. 
 
Amerika, Europa, Russland, Japan und Arabische Emirate machen sich auf, um sich auf dem Mars einen Namen zu machen. Man ist wer, wenn man es schafft mit einem Satelliten den Erdnahen Planeten zu umkreisen oder gar einen Forschungssatelliten in einer Umlaufsbahn zu postieren. Und man ist die Nummer 1 unter den Völkern, wenn man, wie Amerika mit der Nasa, als erstes Land Forschungsgeräte auf dem Mars platziert. So entscheidet sich unter uns, wer der Größte unter den Nationen ist, wer etwas zu sagen hat, weil er das beste Know-how hat.

Sinnlos scheint mir das, denn mit dem uns gegebenen Know-how haben wir bisher unsere irdischen Probleme nicht nachhaltig gelöst, vielfacht gar nicht erst  eine Lösung versucht. Oder träumen wir in unseren heimlichsten Gedanken davon, eine unbewohnbar gewordene Erde, in, was weiß ich, so und so viel hunderten oder tausenden Jahren zu verlassen, um auf dem Mars, in einer von uns geschaffene Kolonie, bzw. einer besseren „Erde“ zu leben? 

Dann wären wir die Größten und könnten gottähnlich einen, nach menschlichen Maßstäben gestalteten, perfekten Planeten bevölkern. Mir graut vor so viel Hochmut und Selbstüberschätzung. Ich hoffe sehr, dass mir meine Fantasie bei diesen Gedanken durchgegangen ist.

In meinen Augen ist die gesamte Marserforschung völliger Unsinn, dem Größenwahn des Menschen und der Nationen dieser Erde geschuldet. „Doch er, der im Himmel thront, lacht, der Herr verspottet sie.“ Psalm 2,4 

Die Rechnung für unseren Größenwahnsinn werden wir, unsere Kinder, Enkelkinder und deren Kindeskinder noch bezahlen, weil wir oft genug das bitter Notwendige: Stillung des Hungers auf unserer Erde, ihre gedankenlose, brutale Zerstörung  um schändlichen Gewinns willen, sowie die Lösung der ökologischen und klimatischen Probleme, wie auch die Verschmutzung der Meere, nicht mit aller unserer Kraft und der Einigkeit aller Völker und Nationen angegangen sind. 

Wir werden dafür bezahlen, dass dir die Erde oft rücksichtslos und aus Eigennutz benutzt und wenig bewahrt haben. „Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte.“ (1. Mose 2,15)

In schwerer Zeit - Gedanken zur Jahreslosung 2020

 „Ich glaube, hilf meinem Unglauben“ Markus 9,24 

Jahreslosung 2020

Ein Vater steht vor Jesus, dessen Kind von Geburt an von einem Anfallsleiden geplagt wird. Jesus geht mit ihm seelsorgerlich um, fragt behutsam nach. 
Seine Jünger konnten dem Kind nicht helfen. Jetzt bittet der Vater Jesus um sein Erbarmen, um Heilung, wenn er was kann. Jesu Antwort: "Du sagst: Wenn du kannst! Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt." Dem Vater wird in diesem Moment klar worauf es ankommt: Jesus zu vertrauen und Glauben einzusetzen, dass Jesus wirklich was kann. Voller Entsetzen über die Erkenntnis seines Unglaubens schreit er: 

"Ich glaube, hilf meinem Unglauben!" 

Wie geht es uns damit? Lassen wir es sein, für uns und für andere zu Jesus zu schreien, weil wir nicht glauben können, dass dann wirklich etwas passiert? Ziehen wir uns lieber mit einem mitleidigen Blick zurück, aus Angst uns zu blamieren – oder vor dem was andere über uns denken könnten? 

Glauben heißt vertrauen, dem zu vertrauen, der die Dinge der Welt in seiner Hand hält - es ist nicht gemeint, dass wir unserem Unglauben vertrauen sollen. Den dürfen wir auch zu Jesus hinbringen: Hilf meinem Unglauben! 

Mir scheint es nicht ratsam zu sein, gutgläubig durchs Leben zu ziehen - allem und jedem zu vertrauen. Oft genug sind, zum eigenen Schutz, Zweifel angebracht, ganz besonders in solchen Zeiten, wo so genannte "Fake News" hohe gesellschaftliche Akzeptanz genießen.


Und jetzt ein paar Monate später, nachdem ich diese Gedanken zur diesjährigen Jahreslosung niedergeschrieben habe, stehen wir Mitte März in extremster Situation seit dem 2. Weltkrieg. Ein neues, unbekanntes Virus, das aus China eingeschleppt wurde und Weltweit wütet, stellt uns vor Herausforderungen, die wir kaum bewältigen können. Folgen: Weltweit zehntausende Tote. Bei uns ein zusammenbrechendes Gesundheitswesen und ebenso unsere blühende Wirtschaft. Angst, Hamsterkäufe, leere Regale bei Diskountern (vor allem bei Klopapier, Seife und Desinfektionsmittel). Versammlungsverbote, Ausgangssperren, geschlossene Gaststätten und nicht für das Überleben notwendige Geschäfte. Wir sitzen in unseren Wohnungen und Häusern und haben unendlich viel Zeit. Viele sind allein, ganz allein. Besuche sind, um uns zu schützen, verboten.

Ich glaube, hilf meinem Unglauben! Was soll ich glauben, was darf ich glauben? Dass wir alle irgendwie diese verheerende Situation schaffen werden? 
Unsere Kirchen sind geschlossen, Gottesdienste von der Regierung verboten. Wo sollen wir in dieser Situation Trost finden und uns getragen wissen, wo wir doch keinen Zugang mehr zu
unseren christlichen Gemeinden haben? 

Welch ein Gericht geht da über uns hinweg! Ein Ruf zur Umkehr, aus unserer Gottvergessenheit? Ein Ruf zur Buße? Steht hinter allem unser liebender Gott, der uns nach seinem Ebenbild geschaffen hat und uns wieder zur Umkehr auf seinen Weg rufen will? Der uns erkennen lässt, wem wir in all den Jahren unseres unermesslichen Wohlstands gedient haben: Uns selbst, unserem Egoismus, der politischen Rechthaberei, der Verachtung unseres Nächsten. Wie können wir gnadenlos Menschen, die auch als Ebenbild Gottes geschaffen sind, aus ihren Städten bomben, vertreiben und ihnen auf ihrer Flucht kein menschenwürdiges Obdach gewähren, sondern wie wilde Tiere zusammenzupferchen und als lästige Fremde zu verachten. 

Ich will es Glauben, dass Jesus uns, mit seiner Liebe, dazu überwältigen kann mit dem Herzen zu sehen und nicht mit all den angelernten Vorurteilen und der Angst, die doch nur noch auf sich selbst schauen kann. Lasst uns jetzt die Hände falten und vor Gottes Thron treten, zu dem wir durch Jesus Christus, unserem auferstandenen Herrn und Heiland, Zugang haben, die zunehmende Gottvergessenheit in unserem Volk bekennen und um Vergebung bitten. 

Bei Jesus finden wir den Weg, die Wahrheit und das Leben (Joh 14,6). Ich glaube, hilf meinem Unglauben (Mk 9,24). 

Elke Werner schreibt: 
"Glauben heißt Gott zu vertrauen, Ihm alles zuzutrauen. 
Auch gegen die menschliche Vernunft zu vertrauen. 
Es heißt die Wunder Gottes zu erwarten und zu erleben." 

22. März 2020
Werner Otto Sirch

Beten ist gefährlich

Zugegeben, als freundliche Einladung, es wieder einmal mit dem Beten zu versuchen, habe ich diese Behauptung, die ich neulich gehört habe nicht gerade empfunden. Es drängt sich mir die Frage auf, von welcher Art ein Gebet wohl sein muss, damit es als "gefährlich" bezeichnet werden kann. Und da gibt es ja recht unterschiedliche Weisen zu beten.

Am weitesten verbreitet ist wohl die Vorstellung, Beten "sei sprechen zu Gott". Da ist gewiss etwas Wahres dran, wenn die gesprochenen Worte aus tiefstem Herzen kommen. Aber bei dieser Weise des Betens kann es auch geschehen, dass ich in einem riesigen Wortschall auf Gott einrede, mit dem Herzen aber ganz woanders bin. Mit meiner Fülle an Worten liege ich zwar Gott in den Ohren aber meine eigenen Ohren aber sind verschlossen und nicht auf Empfang gestellt.
Diese Beten, das als reines Lippenbekenntnis ein reiner Monolog ist, wird ohne verwandelnde Kraft für mein Leben bleiben, da ich diese Verwandlung auch überhaupt nicht begehre. Deshalb kann ein solches Gebet als völlig ungefährlich eingestuft werden. 

Gefährlicher wird es schon, wenn das Gebet ein dialogisches Geschehen ist. Ich wende mich als betender Mensch an Gott, lasse aber auch zu, dass sich Gott mir zuwenden kann. Dieses Gebet gleicht dann einem Gespräch von Person zu Person, bei dem der eine wie der andere auch zum Hörenden wird.

Brandgefährlich aber wird es, wenn ich beim Beten ganz zum Hörenden, ganz Ohr werde. Schweigend verweile ich dann vor Gott und warte auf dessen Wort. Vertrauensvoll lege ich mein Leben in Gottes Hand und bringe damit mehr zum Ausdruck, als Worte je ausdrücken vermögen. Mit dieser Selbstauslieferung verlasse ich den Boden der Berechenbarkeit und Planbarkeit meines Lebens. Nichts lässt sich mehr mit Sicherheit im Voraus bestimmen, da ich mein Leben nicht mehr selbst in der Hand habe. Es ist zu einem Abenteuer der Liebe Gottes geworden. Wer es wagt, sich ganz auf dieses Abenteuer einzulassen, wird mit dem eigenen Leben Zeugnis dafür ablegen, dass das Beten in der Tat gefährlich ist.

(Carmen Lenner, ev. Gemeindereferentin) 

09.01.2021

Beunruhigende Nachrichten aus den USA

 

09. Januar 2021

Die US-Sicherheitsbehörde FBI fahndet nach den Gewalttätern vom Kapitol. Auch politisch läuft die Aufarbeitung:

Ein Impeachment gegen Trump wird immer wahrscheinlicher

 Ein Zaun, zwei Zäune, und dann noch einer. Wer sich in diesen Tagen dem US-Kongress nähert, muss durch viele Absperrungen gehen. Hunderte Soldaten der Nationalgarde haben sich über das weitläufige Gelände auf dem Capitol Hill verteilt, bewaffnet und in Camouflage.

Im Inneren des Gebäudes sind die meisten Schäden der Krawalle beseitigt. So ist die Rotunde, der lichtdurchflutete Saal unter der Kuppel des Kapitols, nach Verwüstungen wieder geöffnet. Doch in vielen Gängen sieht man Spuren vom Sturm der Trump-Anhänger. Fenster sind zersplittert, Türen abgeklebt, an allen Eingängen sind Polizisten. 

Warum derartige Sicherheitsvorkehrungen nicht schon am Mittwoch getroffen wurden, diese Frage wird in Washington heiß diskutiert. Denn vielen Menschen scheint es noch immer unbegreiflich, dass der US-Kongress nicht besser geschützt wurde. 

„Ich gehe seit 20 Jahren regelmäßig demonstrieren“, sagt Joan Stallard, eine Bewohnerin Washingtons. „Wenn ich mit meinen Mitstreitern ins Kapitol ging, komplett friedlich, mussten wir sogar unsere Stöcke von den Plakaten abmachen.“

Tausende Trump-Anhänger hatten Fenster und Türen aufgebrochen, skandierten „Wir übernehmen jetzt!“ und bedrohten Abgeordnete, Senatoren und Mitarbeiter. Erst nach sechs Stunden Chaos hatten Einsatzkräfte das Kapitol geräumt.

„Ärger, Hass, Groll im Herzen“

Ein anderer Anwohner, Elba Arrocha, kann es ebenfalls nicht fassen. „Jeder wusste, dass diese Schläger Ärger, Hass, Groll und alles andere Schlechte in ihren Herzen mitbringen würden.“ Für die Afroamerikanerin Robyn Baggetta ist der Grund für die Eskalation eindeutig: „Warum es so wenige Verhaftungen gab, warum so wenig getan wurde? Die Terroristen waren weiß, und Rassismus ist in diesem Land sehr lebendig.“

Drei Tage sind vergangen, seit die schockierenden Szenen aus dem Machtzentrum der USA um die Welt gingen. Die Behörden widmen sich der Aufarbeitung: Die US-Sicherheitsbehörde FBI (Federal Bureau of Investigation) fahndet mit Hilfe der vielen Aufnahmen im Netz nach Einzeltätern des Mobs, mehr als 50 Menschen wurden verhaftet. Vor dem Bundesgericht in Washington sind 13 Personen angeklagt, „und sie sind erst der Anfang“, verspricht man.

Fünf Menschen kamen bei den Ausschreitungen ums Leben, in einem Todesfall hat das Justizministerium Ermittlungen wegen mutmaßlichen Mordes eingeleitet. Ein Polizeibeamter war an seinen Verletzungen gestorben, die ihm einer der Gewalttäter mit einem Feuerlöscher zugefügt hatte. 

Viele Details und Umstände sind ungeklärt, doch zunehmend verfestigt sich der Eindruck eines Desasters mit Ansage. So berichteten US-Medien, die hauseigene Polizei des Kongresses habe kaum mit der Polizei der Hauptstadt DC kommuniziert, und umgekehrt. Dadurch ging wertvolle Zeit verloren, um auf die angemeldete Trump-Demo zu reagieren.

Pentagon verzögerte Einsatz der Nationalgarde

Auch der späte Einsatz der Nationalgarde wirft Fragen auf. Der Gouverneur des benachbarten Bundesstaates Maryland, Larry Hogan, gab am Freitag erschütternde Einblicke. So habe er sofort 200 Nationalgardisten zum Kapitol schicken wollen, als er von den Krawallen erfuhr. Doch ihm seien die Hände gebunden gewesen. Denn das Pentagon, das die Entsendung der Soldaten final bestätigen muss, habe ihn hingehalten. „Wir waren bereit und in der Lage, zu helfen. Aber uns wurde wieder und wieder die Genehmigung verweigert“, so Hogan.

Parallel bekam Hogan einen Anruf von einem aufgelösten Steny Hoyer, dem Republikaner-Chef im Repräsentantenhaus. Hoyer rief Hogan aus einem Bunker unter dem Kapitol an, in den die Kongressführung evakuiert worden war. „Er sagte, dass die Polizei des Kapitols überfordert ist und dass sie Unterstützung brauchen“, erzählte Hogan sichtlich bewegt. Doch erst 90 Minuten später kam die erlösende Nachricht aus dem Pentagon: Die Nationalgarde könne starten. 

 Im Kongress läuft derweil die politische Aufarbeitung, denn ein Impeachment-Verfahren wird immer wahrscheinlicher. Demokraten-Chefin Pelosi stellte am Freitag Trumps geistige Fähigkeit in Frage, sein Amt auszuüben.

Der Präsident hatte seine Anhänger aus Protest gegen das Wahlergebnis dazu aufgerufen, zum Kapitol zu ziehen. „Wir müssen verhindern, dass ein unfähiger Präsident die Kontrolle über Atomwaffen hat“, so Pelosi. Die Demokraten fordern, dass Trump „unmittelbar und freiwillig“ zurücktritt – andernfalls wolle man bereits am Montag ein neues Impeachment in die Wege leiten.

Impeachment im Schnelldurchlauf?

Doch kann Trump überhaupt des Amtes enthoben werden, knapp zwei Wochen vor dem Regierungswechsel? Zumindest im Repräsentantenhaus, in dem die Demokraten dominieren, zeichnet sich eine Mehrheit dafür ab.

Der Entwurf kursiert bereits, er besteht aus einem Anklagepunkt: „Aufstachelung zum Aufstand“. Weil sich der Kongress erst vor ein paar Tagen konstituierte, existieren noch keine Ausschüsse, die mit einbezogen werden müssten. Dadurch könnte man ein Impeachment quasi im Schnellverfahren auf den Weg bringen.

Auch die Verfassung erlaubt es, einen Präsidenten kurz vor Ende seiner Amtszeit zu „impeachen“. Rechtlich wäre das sogar nach Trumps Auszug aus dem Weißen Haus möglich. Der Zeitplan sei eng, aber nicht unmöglich, heißt es auf dem Capitol Hill. Sobald das Repräsentantenhaus ein Impeachment beschlossen habe, könne die Kammer die Anklage zur Prüfung an den US-Senat weiterleiten.

Genau dort, im Senat, waren die Demokraten erst vor rund einem Jahr gescheitert. Sie hatten ein Impeachment im Zuge der Ukraine-Affäre eingeleitet, doch es stimmten genügend Republikaner gegen eine Amtsenthebung.

Inzwischen haben sich die Machtverhältnisse geändert. Aber um Trump zu entfernen, bräuchten die Demokraten 17 Republikaner auf ihrer Seite – was trotz der Empörung vieler Senatoren eine große Hürde ist.

Umdenken der Republikaner?

Die Demokraten scheinen dennoch ernst machen zu wollen. Ein Impeachment wäre ein starkes Symbol, auch ohne finale Amtsenthebung, so das Kalkül. Schließlich wäre Trump der erste Präsident, der zweimal damit konfrontiert würde.

Außerdem bauen manche Demokraten auf ein Umdenken der Republikaner: Denn sollte Trump im Senat verurteilt werden, könnte ihn eine Zusatzklausel daran hindern, jemals wieder für das Präsidentenamt anzutreten.

Das wäre für so manchen Republikaner, der bei den Wahlen 2024 kandidieren will, eine reizvolle Perspektive. Trump hat mehrfach öffentlich mit der Idee gespielt, es 2024 noch einmal versuchen zu wollen. 

Unabhängig von einem möglichen Impeachment dürften die Folgen der Ausschreitungen Washington noch lange beschäftigen. Der Chef der Kongress-Polizei hat seinen Rücktritt angekündigt, doch damit ist es nicht getan. „Der Angriff hat enorme traumatisierende Auswirkungen auf Mitglieder und Mitarbeiter“, sagte Pelosi. Der Kongress-Arzt werde zeitnah die psychologische Betreuung ausweiten.

Außerdem entblößte der Aufstand, dass vertrauliche Informationen schnell in falsche Hände geraten können – ohne einen Cyberangriff. Denn die Randalierer stürmten mehrere Büros und nahmen Akten, Computer, Telefone mit. Das Justizministerium spricht von einer „potenziellen Sicherheitslücke“. 

Auch die Inauguration von Joe Biden am 20. Januar wird unter eher bedrückenden Bedingungen stattfinden, nicht nur wegen der Pandemie. Die Nationalgarde will bis Ende des Monats die Stadt absichern. 

24.12.2020

Gedanken zu Weihnachten 2020

Wieder geht es auf Weihnachten zu, dem Fest der Liebe. Es ist für mich die Zeit, nieder zu schreiben was mich in diesem Jahr ganz besonders zu Weihnacht bewegt. 

In diesem Jahr fällt mir das besonders schwer. Unsere Welt scheint in Flammen zu stehen: Messerattentate und Erschießungen Unbeteiligter auf offener Straße, Enthauptungen in Kirchen, Überfälle auf Synagogen, Kriege und neue Kriegsgefahren.

Wir leben in einer schwierigen Zeit. Fühlen uns „eingesperrt“ in unsere Wohnungen. Durch das Grundgesetz garantierte Freiheiten sind außer Kraft gesetzt. Vieles ist nicht möglich: Besuche (nur eingeschränkt), Hauskreise, Essengehen in einem Lokal, Theater, Konzerte, Musikproben (nur eingeschränkt), Sportveranstaltungen, Bummel auf dem Christkindlesmarkt hier in Nürnberg. Vielen Menschen „fällt die Decke auf den Kopf“. Man geht mit Masken im Gesicht zum Einkauf, viele haben dabei Angst sich anzustecken. Der Schulunterricht mit Masken und offenen Fenstern wird zur Tortur. Wir spüren, dass wir in einer anderen Zeit, in einer anderen Gesellschaft leben. Gerne hätten wir unser altes Leben zurück. Stattdessen bricht vieles plötzlich auf. Es macht uns unsicher und durchaus auch ängstlich. Ich bin erschrocken über wachsendem Egoismus, Radikalismus, Lieblosigkeit und Gewalt unter uns. Zusammen mit der Covid-19-Infektion macht sich solches in unserer Gesellschaft scheinbar immer mehr breit. 

Trotzdem, es wird Weihnachten! Für uns ein ganz besonderes Fest. Manchmal zweifle ich aber daran, dass es über den Sinn des Weihnachtsfestes, in unserer Gesellschaft noch ein tragendes  gemeinsames Verständnis gibt. Für viele ist Weihnachten Konsum, das festliche Essen, die Geschenke, Besuche bei Eltern und Geschwistern und vielleicht der jährliche Gottesdienstbesuch in einem der festlichen Weihnachtsgottesdienste. Wie wird es dieses Jahr wirklich sein? Werden wir von Herzen, wie wir es gewohnt sind, feiern können? Wohl kaum!

Allein der Gedanke an den Heiligen Abend lässt tiefen Frust in mir aufkommen. In unserer kleinen, feinen Dorfkirche wird es aus Hygienegründen und dem damit verbundenen Platzmangel, keinen einzigen Gottesdienst in der Heiligen Nacht geben. Draußen auf dem Land, in verschiedenen Dörfern und Scheunen, wird sich die Gemeinde treffen. Unsere kleine Kirche bleibt dunkel, kein Krippenspiel durch Kinder und Jugendliche, keine Lichterkerzen am Christbaum, keine festliche Musik durch den Posaunen- und Kirchenchor, der feierliche Glockenklang bleibt aus und die Orgel stumm. Für mich als Gemeindeorganist schon sehr fatal.

Corona hat uns fest im Griff und wir hoffen trotzdem davor verschont zu bleiben. Wir spüren Angst um uns und unsere Lieben, Unsicherheit wie es weitergehen wird. Viele plagt die Sorge, nicht mehr alles Lebenswichtige kaufen zu können. Wieder wird in den Geschäften gehamstert, wieder, wie im Frühjahr, vor allem Klopapier und Küchenrollen. Haben wir wirklich solch einen „Schiss“, dass wir uns davor fürchten müssen nach dem Toilettengang kein Papier mehr zur Verfügung zu haben?

Ja, in gewisser Weise kommen wir wirklich seit Monaten zu kurz. In unserer kleinen Kirche sind, aufgrund von Hygienevorschriften, lediglich 35 Sitzplätze ausgewiesen. Für eine lebendige Dorfgemeinde viel zu wenige. Das Gemeindehaus ist aus gleichem Grund gesperrt. Gerade in solch schwierigen Zeiten ist das für eine Gemeinde verheerend. Viele alte Menschen und Alleinstehende vereinsamen, verlieren ihre Kontakte, auch zu ihrer Gemeinde. Selbst das Treffen unseres Hauskreises fällt unter die strengen Kontaktverbote. Wir sitzen in unseren Wohnungen und sehnen uns nach denen, die uns etwas bedeuten. Seit Pfingsten versucht unsere Gemeinde, über ihren YouTube-Kanal, Kontakte aufrecht zu halten, mit wöchentlichen Kurzansprachen durch unsere Pfarrerin und auf unserer Orgel gespielter Musik mit Chorälen und Liedern.

Wie gehe ich als Christ mit dieser Situation um? Immer wieder stelle ich mir die Frage, ob das wirklich alles so in Gottes Hand ist. Ich weiß und glaube es, dass uns kein Haar ohne sein Wissen vom Haupt fällt. Wer ist es also, der unser Leben so total umkrempelt? Ein Virus, nur ein winziger kleiner, für unsere Augen nicht sichtbarer Virus? Ich kann mich trotzdem nicht der Frage erwehren, ob es ein Gericht, ein Rufzeichen dessen ist, der die ganze Schöpfung in seiner Hand hält, durch dessen Wort alles geschaffen ist? Was will er uns sagen, mit dieser den ganzen Erdkreis umspannenden Pandemie, die so viel Leid mit sich bringt? Er ist doch der Liebhaber des Lebens, ein Vater, der uns beim Namen ruft, beschützt und auf uns wartet. Ich will darauf vertrauen, dass Gottes Liebe auch in dieser unsicheren Zeit einen Weg für uns hat.  

Weihnachten, viele von uns feiern es als Fest der Liebe, weil Gottes Sohn, vor mehr als 2.000 Jahren, in Jesus, in einem Stall geboren, auf diese Welt gekommen ist. Könige haben den Stern am Himmel als Zeichen seiner Geburt gesehen, den Hirten auf dem Felde wurde durch Engel Jesu Geburt verkündet: “Euch ist heute der Heiland geboren.“ Sie sind zum Stall geeilt, um zu sehen was da geschehen ist und sie fanden das Kind in der Krippe, Jesus, Gottes Sohn. Durch ihn wurde Gottes Liebe und Macht für uns sichtbar: Blinde sehen, Lahme gehen, Tote stehen auf. Uns wird die frohe Botschaft von Gottes Liebe verkündet: die Bezahlung für unsere Verkehrtheit und unsere Schuld. Dafür stirbt der Gottessohn, Jesus, einen grausamen Tod am Kreuz. Drei Tage liegt er im Grab. Dann bezwingt Jesus den Tod, der sich an ihm, dem Sündlosen („Der Sünde Sold ist der Tod.“
Röm 6,23), vergangen hatte. „Ich lebe und ihr sollt auch Leben!“(Joh 14,19), das ist seine Nachricht an uns. Darum erwarten auch wir im Glauben unsere Auferstehung zum ewigen Leben in Gottes Herrlichkeit, in der Jesus bei uns wohnt und „der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen“. (Offenbarung 21,4)

Weihnachten wird in diesem Jahr anders sein als wir es bisher gewohnt sind. Ich hoffe, dass daraus auch für uns etwas Neues, eine neue Chance, wachsen kann.
Ich wünsche Euch allen ein frohes Weihnachtsfest. Bleibt behütet.

23.04.2019

Sri Lanka an Ostern 2019


Sri Lanka
Anschläge auf Oster-Gottesdienste
und Hotels



Über 300 Menschen haben ihr Leben verloren, mehr als 500 Verletzte werden noch in Kliniken
behandelt.
Ersten Untersuchungen zufolge haben sich sieben Selbstmordattentäter am Ostermorgen, zu der
Zeit als Christen in den Gottesdiensten die Auferstehung Jesu von den Toten feierten, in drei
Kirchen und drei Hotels in die Luft gesprengt.
Nach Angaben der Regierung sind einheimische Islamisten für die Anschläge verantwortlich. Die
Regierung hat den Notstand ausgerufen. Der Islamische Staat reklamiert die Anschläge für sich.
Die Gruppe hat es auf Christen abgesehen, sowie auf Bürger aus Ländern, die ihr Territorium
bombardiert hätten.
Die Anschläge waren, ersten Ermittlungen zufolge,Vergeltung für den Angriff auf eine Moschee
im neuseeländischen Christchurch im März. Die Regierung in Sri Lanka geht von einem
internationalem Terrornetzwerk aus.

Kommentar
Wie krank ist das denn? Rache und Vergeltung zu üben an Menschen, die mit dem Anschlag in
Christchurch nichts, aber auch schon gar nichts zu tun hatten. Ja, es waren "Christen", die in 
Neuseeland den verheerenden Anschlag in der Moschee verübt hatten. Deshalb glauben sich die
moslemischen Täter im Recht, mit ihrem mörderischen Tun. 
Ich möchte es nicht wahrhaben, dass Menschen so miteinander umgehen, die einen und die anderen,
ob Christ oder Moslem. Dabei müssten uns, den Christen, den Moslimen und den Juden, unsere
Wurzeln klar sein. Wir sind Brüder und Schwestern, Kinder des einen lebendigen Gottes, der 
Himmel und Erde geschaffen hat und uns Menschen liebt.





18.04.2019

Jahreslosung 2019


Jahreslosung 2019

Sucht Frieden und jagt ihm nach

Psalm 34,15b



Frieden ist Herausforderung. Es ist nicht einfach Frieden zu halten, denn
das Böse hat nichts mit Gutem und nichts mit Frieden zu tun.(„Lass ab vom
Bösen und tue Gutes.“ V.15a)
Alle unsere Handlungen haben Folgen, gute oder schlechte. Sie sind durch
unsere Gedanken beeinflusst und haben letztlich ihre Wurzeln in unserem
Herzen. Immer wieder fällt es schwer, in uns selbst Frieden zu halten. Wut,
Zorn, Hass bestimmen uns oft genug dort, wo Liebe und Geduld nötig wären.

Sucht den Frieden! Frieden zu suchen und wieder herzustellen scheint
oft unmöglich. Wir erleben sämtliche Zugänge zum anderen versperrt
 und geschlossen. Das betrifft sowohl unser soziales Umfeld (Familie,
Schule, Arbeitsplatz) und viel gefährlicher, die Völker und ihr Zusammenleben.
Hier geht es um Machtansprüche, Rassismus, wirtschaftliche und strategische
bzw. machtpolitische Interessen. Um ihretwillen werden Menschen, ihre
Gesundheit und ihr Leben ohne Skrupel immer wieder in Gefahr gebracht
oder gar geopfert.
Wie viel Streit gibt es oft aus nichtigen Gründen. Was läuft in Wohnanlagen
und am Arbeitsplatz hinten rum an der Wahrheit vorbei, um eigene Anteile
an Macht und Einfluss zu erhöhen. Bis hin zum gnadenlosen Mobbing.

Sucht den Frieden! Er liegt nicht einfach so auf der Straße. Es ist vielmehr
harte Arbeit Wege zu finden, die zum Frieden führen. Sucht Frieden! Oft
genug ein schwerer Weg, im alltäglichen Streit Zugang zum Nächsten zu finden.

Jagt dem Frieden nach! Das klingt nach Arbeit. Wer Frieden will ist gefordert,
 mit seiner gesamten Persönlichkeit. Dem Frieden nachjagen heißt, nicht
aufgeben, sondern hinsehen auf eigene Verletzungen und Verletzlichkeiten,
um dem Selbstmitleid und dem Zorn im eigenen Herzen keinen Raum und
keine Nahrung zu geben. Wir dürfen unsere Verletzungen und unseren Zorn
um des Friedens willen dem anzuvertrauen, der heilen kann. Es ist der, der
für unsere Schuld und die der anderen am Kreuz bezahlt hat und dessen Liebe
uns allen unverbrüchlich gilt. Er wird unserem Herzen seinen Frieden schenken.
siwo

08.12.2016

Mustafa



Mustafa war Muizin, der in seiner Heimat in der Türkei die Muslimen zum Gebet rief. Den Koran kannte er in- und auswendig. Die Frage, was nach seinem Tod sein wird, beschäftigte ihn, den gläubigen Muslimen, ganz besonders und ließ ihn nicht mehr los. Der Koran gab ihm darauf ein "Vielleicht" zur Antwort.

In der Bibel fand er das Wort Jesu: "Wer glaubt und getauft wird, der ist gerettet" Mk 16,16. Das war es was er gesucht hatte. Darum ließ er sich taufen. "Mit meiner Taufe kam große Freude in mein Herz", erzählte er jedem der es hören oder auch nicht hören wollte. Die Folge: Versteckte und offene Drohungen, so dass er nicht mehr in seiner Heimat bleiben konnte.

Er kam nach Deutschland, dem Land der Christen. Es enttäuschte ihn, dass kaum jemand, im Mutterland der Reformation, mit ihm über seinen Glauben sprach. Er hatte erwartet bei uns fröhlichen Menschen zu begegnen, die voller Freude Jesus nachfolgten.



Werner Sirch, Niederschrift eines Gesprächs etwa im Jahr 2000

02.12.2016

Nur Wandschmiererei?

Der eine schmiert an die Wand die Aufforderung: Bete zu Jesus! Wer soll damit provoziert werden? Soll so zum Nachdenken angeregt werden? Ist es nötig Menschen in solcher Weise auf die Pelle zu rücken? Viele meinen, dass das in unserer orientierungslosen Zeit mehr als nötig ist. Oder sollte es ein schnell hingekritzeltes Glaubensbekenntnis sein?
Die Provokation hat zumindest geklappt. Der andere bessert aus: Fete statt Jesus! Das ist seins. Er will sich nicht durch fromme Sprüche nerven lassen. Beten ist für ihn vielleicht etwas ungewohntes, etwas das am Leben vorbeizugehen scheint, nutzloses Reden mit der Wand. Ich versuche zu verstehen: Es geht um die Erfahrung, dass es sich am besten auf einer tollen, fröhlichen  Fete lebt.
Mich treibt die Frage um, warum sich das ausschließt: Beten und Fete? Kann man nicht beides pflegen, jedes zu seiner Zeit? Bestimmt geht beides: Ne tolle Fete mit Freunden und Kraft schöpfen durch ein Gebet, in dem ich mich wieder sammeln kann.  

27.07.2016

Terror jetzt auch in der Kirche


Anschlag auf Kirche in Nordfrankreich Terror trotz Fußfessel

Stand: 26.07.2016 22:32 Uh
Wieder ist Frankreich von einem Terroranschlag erschüttert worden: Zwei Angreifer drangen in der Normandie in eine Kirche ein und töteten den Priester. Gegen einen der beiden lief bereits ein Terrorverfahren. Er trug eine elektronische Fußfessel.

Keine zwei Wochen nach dem Blutbad von Nizza hat ein tödlicher Anschlag Frankreich aufs Neue erschüttert: Zwei Angreifer töteten in einer katholischen Kirche einen greisen Priester mit einem Messer.
Die französischen Behörden haben inzwischen einen der Angreifer identifiziert - gegen den 19-Jährigen war in der Vergangenheit bereits ein Terrorverfahren eingeleitet worden. Nach Ermittlerangaben hatte der Mann 2015 zwei Mal versucht, nach Syrien zu gelangen. Beim zweiten Versuch wurde er in der Türkei festgenommen.


Freilassung unter Auflagen


Nach seiner Überstellung nach Frankreich wurde ein Ermittlungsverfahren gegen den Mann eingeleitet. Ihm wurde die Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung in Verbindung mit einem Terrorvorhaben zur Last gelegt. Er kam zunächst in Untersuchungshaft, wurde aber später mit einer elektronischen Fußfessel freigelassen - die er offenbar auch während des Angriffs in der Kirche trug. Der Mann stamme aus Saint-Etienne-du-Rouvray, dem Ort, an dem sich der Angriff ereignete, so der Pariser Staatsanwalt François Molins am Abend. Der zweite Täter ist ihm zufolge noch nicht identifiziert.Sprengstoffattrappen und eine Pistole
Die beiden Angreifer trugen laut Staatsanwaltschaft Sprengstoffattrappen, Messer und eine Pistole bei sich. Beim Verlassen der Kirche hätten sie sich mit dem Ruf "Allahu akbar" ("Gott ist groß") auf die Sicherheitskräfte gestürzt, sagte Molins. Daraufhin seien sie erschossen worden. Einer der beiden Täter habe eine Schusswaffe dabei gehabt. Einer der Täter trug laut Molins einen falschen Sprengstoffgürtel aus Aluminiumfolie um den Bauch und hatte drei Messer dabei. Sein Komplize hielt eine mit Aluminiumfolie umwickelte Küchenuhr in der Hand. In seinem Rucksack fand die Polizei demnach eine Sprengstoffattrappe.
Im Zuge der Ermittlungen wurde außerdem ein Minderjähriger in Polizeigewahrsam genommen. Der in Algerien geborene 16-Jährige sei der jüngere Bruder einer Person, die mit internationalem Haftbefehl gesucht werde, sagte Molins. Diese solle im März 2015 mit den Papieren des identifizierten Angreifers aus der Kirche in das irakisch-syrische Gebiet gereist sein. Die Ermittler führten auch weitere Durchsuchungen durch.

IS beansprucht Angriff für sich


Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) meldete sich über die Agentur Amaq zu Wort und beanspruchte die Tat für sich. Die Attacke sei eine Reaktion auf Forderungen des IS, Länder der US-geführten Koalition anzugreifen, die in Syrien und dem Irak gegen die Terrormiliz Luftangriffe fliegt. Zuvor hatte Staatspräsident François Hollande erklärt, die beiden Männer hätten sich zum IS bekannt.

Hollande: Angriff auf Kirche ist "Schändung der Republik"
In einer Fernsehansprache am Abend bezeichnete Hollande den Anschlag auf eine Kirche als "neue Bewährungsprobe für die Nation". "Eine Kirche anzugreifen, einen Priester zu töten, das ist eine Schändung der Republik, die die Gewissensfreiheit garantiert", sagte der Staatschef. Er rief das Land zur Einheit auf. "Was die Terroristen wollen, ist uns zu spalten", betonte Hollande.
Die Regierung werde die in den vergangenen Monaten verschärften Anti-Terror-Gesetze voll anwenden. "Aber ich sage ganz klar: Unsere Rechte zu beschränken, von unseren Verfassungsregeln abzuweichen, würde nicht mehr Wirksamkeit im Kampf gegen den Terrorismus bringen, aber ganz sicher den kostbaren Zusammenhalt unserer Nation schwächen."

"Sie haben am Altar eine Art Predigt gehalten"


Zwei Männer waren am Vormittag während einer Messe in das katholische Gotteshaus in Saint-Étienne-du-Rouvray eingedrungen und brachten den Pfarrer, zwei Nonnen und zwei weitere Gläubige in ihre Gewalt. Kurz darauf erstachen die Angreifer den 85 Jahre alten Priester. Eine weitere Geisel wurde verletzt, ist aber nicht mehr in Lebensgefahr.
Eine Augenzeugin schilderte im französischen Fernsehen Details: Die Angreifer hätten den Priester auf die Knie gezwungen und ihn mit einem Messer getötet, als er sich zu wehren versuchte. "Sie haben sich selbst gefilmt", sagte die Nonne. "Sie haben am Altar eine Art Predigt gehalten, auf arabisch. Es ist ein Horror."

Und kein Ende


Amoklauf in München (22.7.2016)
  • Was war passiert?
    Ein junger Mann hatte am Freitagabend nahe des Olympia-Einkaufszentrums im Nordosten Münchens wild um sich geschossen. Zehn Menschen kamen ums Leben, darunter der Attentäter, der sich selbst erschoss. Über 30 Menschen wurden verletzt. In der Innenstadt brach nach Falschmeldungen über einen weiteren Anschlag Panik aus.
  • Wer ist der Täter?
    Ein 18-jähriger Deutsch-Iraner. Geboren und aufgewachsen in München. David S. soll sich viel mit Computer-"Ballerspielen" beschäftigt und den Attentäter des Amoklaufs von Winnenden sowie den Massenmord des Norwegers Anders Behring Breivik verherrlicht haben. Die Handfeuerwaffe, eine Glock 17 Kaliber 9mm, hatte er sich im sogenannten "Darknet" besorgt.
  • Wer sind die Opfer?
    Der Täter hat neun Menschen erschossen. Die Opfer sind hauptsächlich Jugendliche: drei 14-Jährige, zwei 15-Jährige, ein 17-Jähriger, ein 19-Jähriger, ein 21-Jähriger und eine 45-Jährige. Die Verstorbenen sind offenbar aus München und Umgebung. Bei den Verletzten befanden sich einige Personen noch in äußerst kritischem Zustand.
  • Was ist das Tat-Motiv?
    Psychische Probleme, keine politische Motivation, willkürliche Auswahl der Opfer: Das sind erste Ermittlungsergebnisse zum Amoklauf in München. Eine spontane Tat war es demnach nicht.
  • Reaktionen zur Tat
    Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hat sich vom Anschlag in München "tief erschüttert" gezeigt. Die "brutale und menschenverachtende Tat" erfülle alle "mit Trauer und Schrecken". Die Gedanken seien bei Opfern und Angehörigen. Weiter betonte Seehofer: "Ohne Sicherheit gibt es keine Freiheit". Kanzlerin Angela Merkel äußerte sich erstmals rund 20 Stunden nach der Tat. Doch nicht nur in Deutschland, weltweit gab es Solidaritätsbekundungen.


Messer-Angriff in Reutlingen (24.7.2016)
  • Was war passiert?
    Ein Mann war mit einem langen Döner-Messer bewaffnet durch Reutlingen gelaufen und hatte um sich geschlagen. Es gab ein Todesopfer und mehrere Verletzte.
  • Wer ist der Täter?
    Auf die schriftliche Mitteilung der Polizei, dass es sich bei dem Tatverdächtigen "um einen 21-jährigen Asylbewerber aus Syrien" handele, reagierten Menschen im Internet mit fremdenfeindlichen Kommentaren. "Für den Tathergang spielt es keine Rolle", hieß es bei der Polizei. "Aber wir nennen Ross und Reiter."
  • Wer sind die Opfer?
    Eine 45 Jahre alte Frau wurde getötet. Fünf weitere Menschen wurden in der Folge verletzt.
  • Was ist das Tat-Motiv?
    Die Polizei geht aktuell von einem Beziehungsstreit aus. Anhaltspunkte für einen terroristischen Anschlag gebe es nicht.
  • Reaktionen zur Tat
    Die Bundesregierung hat sich erschüttert gezeigt. "Wir trauern mit den Angehörigen der getöteten Frau in Reutlingen und sind in Gedanken bei den Angehörigen der Verletzten von Reutlingen und Ansbach", sagte die Vize-Regierungssprecherin Ulrike Demmer.


Bombenanschlag in Ansbach (24.7.2016)
  • Was war passiert?
    In Ansbach bei Nürnberg war mindestens ein Sprengsatz explodiert - ein Mann starb, es gab mehrere Verletzte. Ziel war wohl ein Musikfestival. Bei dem Toten handelt es sich um den mutmaßlichen Täter. Der Mann wollte offensichtlich die Bombe mit scharfkantigen Metallteilen in seinem Rucksack am Konzertgelände mit etwa 2.500 Besuchern zünden. Ihm wurde aber der Einlass verwehrt.
  • Wer ist der Täter?
    Der mutmaßliche Täter ist ein 27 Jahre alter Flüchtling aus Syrien. Der Mann sei vor zwei Jahren nach Deutschland gekommen und habe einen Asylantrag gestellt. Der Antrag wurde vor einem Jahr abgelehnt, der Flüchtling sei seitdem geduldet gewesen.
  • Wer sind die Opfer?
    Zwölf Menschen wurden bei der Explosion in Ansbach verletzt, drei davon schwer.
  • Was ist das Tat-Motiv?
    Bei dem Anschlag handelt es sich um einen Terroranschlag mit islamistischer Überzeugung des Täters, sagte der bayerische Innenminister Joachim Herrmann. Der Mann beziehe sich auf Abu Bakr al-Baghdadi, den Anführer der Terrormiliz IS. Auf einem Handy gebe es eine Anschlagsdrohung des Täters selbst als Video. Der Täter kündige einen Racheakt gegen Deutsche an als Vergeltung, weil sie Muslime umbrächten. In einer ersten Übersetzung des arabischen Textes heiße es, der Täter handle im Namen Allahs. Zuvor war bekannt geworden, dass der 27-Jährige nach Bulgarien abgeschoben werden sollte. Der Mann sei öfter in psychiatrischer Behandlung gewesen, hieß es. Er soll bereits zweimal versucht haben, sich das Leben zu nehmen. Der Mann ist nach Angaben der Polizei schon früher strafrechtlich in Erscheinung getreten. Er sei wiederholt auffällig geworden, unter anderem wegen eines Drogendelikts, sagte Herrmann.
  • Reaktionen zur Tat
    "Meine persönliche Einschätzung ist, dass ich es leider für sehr naheliegend halte, dass hier ein echter islamistischer Selbstmordanschlag stattgefunden hat", sagte Bayerns Innenminister Herrmann am frühen Montagmorgen der Deutschen Presse-Agentur. Auf die Frage, ob der Täter im Zusammenhang mit der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS)stehe, sagte der Minister: "Es ist dies auf jeden Fall nicht auszuschließen." Konkrete Hinweise auf den IS gebe es allerdings noch nicht.


19.07.2016

Mitte Juli 2016 Gedanken einer schweren Woche



Es sind wahrlich schwierige Zeiten in denen wir leben. Die Nachrichten erdrücken uns: Nizza - 84 Menschen, die an der „Bucht der Engel“ durch das Attentat mit einem LKW ihr Leben verloren haben.

Mitten in die Trauer hinein um die Toten und die vielen, vielen Verletzten, erreicht uns die Nachricht vom Putsch in der Türkei. Mindestens 290 Menschen verlieren ihr Leben und mehr als 1.000 sind verletzt.
Nach dem gescheiterten Putsch blühen in der Türkei Verschwörungstheorien, nach welchen der Exilprediger Gülen, ein islamistisches Netzwerk oder gar Staatspräsident Erdogan selbst hinter dem Putsch steckt.

Erschreckend für mich sind die sofort einsetzenden Säuberungsaktionen Erdogans – geradeso als hätte es entsprechende Namenslisten schon vorher gegeben.
Tausende Richter, Staatsanwälte und Militär werden abgesetzt, ebenso weitere 9.000 Beamte, vor allem Polizisten und mehr als ein Drittel der Provinz-Gouverneuere. Inzwischen wird der Ruf nach einer Wiedereinführung der Todesstrafe in der Türkei immer lauter.

Heute Morgen erschreckt die Meldung, dass ein 17-jähriger afghanischer Asylbewerber in der Nähe von Würzburg in einem Regionalzug Reisende mit einer Axt und einem Messer angegriffen hat. Drei Menschen wurden lebensgefährlich verletzt, ein vierter leichter. Der Täter wurde, als er die Polizei angegriffen hat erschossen. Am späten Vormittag wird von einer IS nahen Agentur gemeldet, dass der Angreifer ein Kämpfer des Islamischen Staates war.

Heute ist Bruder Stadelmann im Kreise der Ruhestandsdiakone, um über die Rummelsberger Flüchtlinge zu berichten. Wie geht’s den Menschen hier, bei uns in Rummelsberg? Wie geht es ihnen mit solch schrecklichen Nachrichten, die wohl auch an Vieles erinnern, wovor sie geflohen sind.

Wie geht es unseren Rummelsberger Mitarbeitern, fühlen sie sich sicher, oder müssen sie mit solchen spontanen und brutalen Aktionen von traumatisierten und u. U. radikalisierten Menschen rechnen?

12.07.2016

Gedanken zur Internetkommunikation

Gedanken zur modernen Internet-Kommunikation (aus dem Gedächtnis wiedergegeben):

Kinder, die im kindlichen Alter mit ihrem Smartphon in WhatsApp-Gruppen verkehren, setzen sich ständiger Lebenskommentare durch ihre Gruppe aus. Alles was sie tun oder nicht tun wird in irgend einer Weise kommentiert. Sie erfahren eine beständige Spiegelung ihres Lebens durch die Gruppe und damit auch der Manipulation.
Für die persönliche und psychische Entwicklung des Kindes ist das bedenklich.

Mein Leben wird über mein Verhältnis zu Gott gespiegelt. Ich mache mich nicht von irgendwelchen Gruppen abhängig. Es gehört zu meinem Selbstbild, dass ich Gott gegenüber verantwortlich bin und nicht irgendwelchen Internetgruppen.


Google und ähnliche Unternehmen betreiben eine totalitäre Gesamtschau des Menschen. Hier wird der gesamte Lebenslauf des Menschen festgehalten und kommentiert.
So wie das die vorreformatorische Kirche getan hat. Sie hat damals den Menschen von der Wiege bis zur Bahre betreut und alles von ihm gewusst. Der Mensch war nicht mehr frei, sondern beeinflussbar, manipulierbar. 

02.06.2016

Predigt Epheserbrief 2,17-22

2. Sonntag nach Trinitatis 05.06.2016 - Fürth-St. Paul

17 Christus ist gekommen und hat im Evangelium Frieden verkündigt euch, die ihr fern wart, und Frieden denen, die nahe waren. 18 Denn durch ihn haben wir alle beide in einem Geist den Zugang zum Vater. 19 So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen, 20 erbaut auf den a Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist, 21 auf welchem der ganze Bau ineinandergefügt wächst zu einem heiligen Tempel in dem Herrn. 22 Durch ihn werdet auch ihr miterbaut zu einer Wohnung Gottes im Geist.

Liebe Gemeindeglieder,
liebe Schwestern und Brüder,

1. Frieden in einer friedlosen Welt

Alle Welt ruft nach Frieden, aber es ist kein Frieden. Kein Frieden unter den Völkern, kein Frieden in den Familien, kein Frieden unter den Religionen. Dabei sehnen wir uns nach Frieden. Können nicht miteinander leben im Hass, mit Mord und Totschlag, Krieg und Terror. Leben ohne Liebe, Leben in Furcht und Angst entstellt uns und gibt uns ein ganz böses Gesicht. Solch ein Leben macht uns körperlich und seelisch krank.

2. Befreit durch Christus

Gott will, dass wir frei sind. Frei von Krieg und Terror, Hass und Zerstörung, Angst und Sorgen. Durch Christus befreite Menschen. Das gilt für die, die Gott fern sind ebenso, wie denen, die schon immer Gott nahe waren. (Heute würden wir sagen: Christlich sozialisiert sind.) Durch Christus
 sind wir befreite Menschen. Frei von Bindungen und Gebundenheiten. Frei davon, uns selbst gerecht zu sprechen. Frei von Bevormundung. Frei von der Macht des Kapitals, vom Egoismus, vom Hass, der Gleichgültigkeit und anderen Mächten die unser Leben bestimmen wollen.

3. Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen

Wir sind nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen. Wir gehören dazu. Wir sind Gottes Kinder, die den Vater im Himmel kennen und zu ihm gehören.
Hausgenossen sehnen sich nach Gemeinschaft, leben mit einander, freuen sich und trauern mit einander. Und leiden manchmal auch an einander. Aber sie vertrauen einander.
Mittelpunkt, Zentrum, der Eckstein der alles Zusammenhält ist Christus. Er hat unsere Bindungen, unsere Sünde und Schuld ans Kreuz getragen, damit wir frei sind. Ich denke an das was Paulus im Galatherbrief schreibt. Galather 5,1 „Zur Freiheit hat euch Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder unter das Joch der Knechtschaft zwingen.“ Wir werden keine Gerechtigkeit vor Gott finden durch Gesetzlichkeit, Selbstgerechtigkeit, Hass oder weil wir uns vornehmen ein besserer Mensch zu werden. Im Gegenteil, es nimmt uns die von Christus geschenkte Freiheit. Wir sind Gottes Mitbürger und Hausgenossen, weil uns Christus durch seinen Tod und seine Auferstehung dazu befreit hat. Liebe Gemeinde, was könnten wir, zu dem was Jesus für uns getan hat, aus eigener Kraft noch hinzufügen?

4. Von Christus geschenkte Freiheit

Die von Christus geschenkte Freiheit ist aber nicht bindungslose Freiheit, die gegenüber niemandem verantwortlich ist und nur für die eigene Lust oder Unlust lebt. Luther schreibt:
„Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemandem untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.“ Freiheit, wirkliche Freiheit kann nur in Bindung gelebt werden. Und so sind wir als Christen befreit für ein Leben mit anderen Menschen, in unserer Familie und im großen Haus dieser Welt, wie Martin Luther King es beschrieben hat:
Ein großes Haus der Welt, in dem wir zusammenleben müssen:
Schwarze, Weiße, Morgenländer und Abendländer,
Juden und Nichtjuden
Katholiken und Protestanten.
Eine Familie, die in Ideen, Kultur und Interessen zu Unrecht getrennt ist.
Weil wir niemals wieder getrennt leben können, werden wir lernen müssen, in Frieden miteinander auszukommen.
Alle Bewohner der Erde sind Nachbarn.
Soweit Martin Luther King.

5. Christus ist gekommen

Wir lesen in unserem Predigttext:
17 Christus ist gekommen, um uns Frieden zu verkündigen, denen, die ihn kennen und denen, die fern sind von ihm.
Jesus will das heilen, was in uns zerbrochen ist: Unsere Unmöglichkeit mit uns selbst im Frieden zu leben, mit unserem Nachbarn, mit unserer Familie, mit Gott.
Wir vergeuden soviel Energie und Kraft mit unseren Streitigkeiten, mit unserer Verletzlichkeit, mit unserem Hunger nach Macht und dem Willen andere beherrschen zu wollen. Wir vergeuden Energie und Kraft, weil wir uns der Angst und Vorurteilen hingeben. Kraft, die wir an anderer Stelle dringend brauchen – ganz aktuell, fremden Menschen gegenüber, die sich zu uns flüchten um Verfolgung oder Hunger zu entkommen. Dabei sind wir nicht ganz unschuldig an ihrer Situation. Ohne schlechtem Gewissen haben wir ihre Landwirtschaft ruiniert und sie zu Billigkräften gemacht, um unseren Wohlstand zu mehren. Wir haben glänzende Geschäfte mit Waffen gemacht, vor welchen sie jetzt auf der Flucht sind. Sie haben um Hilfe gerufen, aber unsere Ohren sind taub. Jetzt kommen sie zu uns, weil unsere Hilfe nicht zu ihnen kommt.

6. Aufschrei

Norbert Blüm, Minister im Kabinett Kohl, schreibt in seinem Buch „Aufschrei! Wider die erbarmungslose Geldgesellschaft“, ein Kapitel über „Vorteilssuche als Weltformel“. Er zitiert darin den US-amerikanischen Ökonomen Garry S. Becker: „Der Mensch ist ein Vorteilssucher, sonst nichts.“ Das bringt Blüm zu der Frage, wer uns davor rettet, dass unser ganzes Leben eine Kalkulation von Vorteilen wird.
„Kein Handschlag ohne vorherige Berechnung, welche Vorteile damit verbunden sind. Keine Freundlichkeit, ohne vorher zu überlegen, was sie mir bringt. Selbst Lachen ist nur erwünscht, weil es gesund ist. Nichts gilt, was ‚nichts bringt‘.“ Und er sieht bei uns die hässliche Fratze der Geldgier. „Während in der islamische Welt sich eine Regression (eine Rückentwicklung) zum blutigen Fundamentalismus vollzieht, verflacht der Westen in einem unterhaltsamen oberflächlichen Konsumismus, dessen letztlicher Lebenssinn die Vorteilsnahme ist.“
Blüm weist darauf hin, dass sich keine Gesellschaft dauerhaft auf Vorteilssuche aufbauen lässt. „Ohne Vertrauen bricht die Gesellschaft mit allem, was dazu gehört, zusammen.
Ohne Vertrauen funktioniert selbst die Wirtschaft nicht. Geld verliert über Nacht seinen Wert, wenn die Menschen nicht mehr darauf vertrauen, dass es etwas wert ist. ‚An sich‘ ist Geld eine Null. Denn Geld ist eigentlich ein Vertrag zwischen seinen Benutzern. Ein Vertrag ist jedoch ein Fetzen Papier, wenn die Vertragspartner nicht ein Mindestmaß von gegenseitigem Vertrauen aufbringen.

7. Flüchtlinge was nun

Flüchtlinge was nun? Gibt es für uns einen Vorteil? Wir stehen da und überlegen was wir machen sollen, mit den vielen Menschen aus anderen Ländern. Sind sie nicht auch Geschöpfe Gottes, von ihm geliebt? Wir überlegen was billiger kommt. Zäune bauen und in Kauf nehmen, durch den behinderten Warenverkehr 5% weniger Waren in andere Länder zu verkaufen, oder Flüchtlinge aufzunehmen und bei uns zu integrieren?
Was ist für uns nützlicher?
Ist das der Umgang mit Menschen, die Ihrer Heimat beraubt, durch Flucht ihr Leben gerettet haben, den brutalen Kopfabschneidern der IS, den Bomben und Gewehren, dem Hunger und der Perspektivlosigkeit ihres Lebens entronnen sind? Wie können wir die Frage beantworten wo diese Menschen hin sollen? Wo können sie sich sicher fühlen, ohne Hunger und mit menschlicher Würde leben? Oder geht uns das nichts an, weil für uns die Nützlichkeitsberechnungen nicht aufgehen? Was ist unsere Angst vor Flüchtlingen wert gegenüber der Angst, die diese Menschen erlitten haben und nun ertragen müssen, weil sie zwar ihr Leben gerettet haben, aber niemand sie haben will?
Warum fällt es uns so schwer darauf zu vertrauen, dass sie nicht kommen, um uns als Islamisten zu bedrohen und unsere in christlicher Freiheit lebende Gesellschaft zu zerstören?

8. Lebendiger Stein, der von den Menschen verworfen ist, aber bei Gott auserwählt und kostbar.

Meine provokative These: Sie kommen, um sich als Steine in den Bau einer christlich-freiheitlichen Gesellschaft einzufügen. Ich möchte das jedenfalls so glauben. (Bitte verhöhnen Sie mich jetzt nicht als einen von den so genannten Gutmenschen.) Natürlich kommen auch andere, die nichts Gutes vorhaben. Und für die dürfen wir genauso beten. Auch für die Schläfer die auf ihre Chance warten um möglichst großes Unheil anzurichten. Wir haben aber den Vater im Himmel, der über allem steht. Darum müssen wir uns nicht bestimmen lassen von der Angst vor Flüchtlingen und was durch sie geschieht oder geschehen könnte. Und wir haben Christus, der für alle Menschen gestorben und auferstanden ist. In uns lebt der Heilige Geist, der Menschenherzen wenden und den dreieinigen Gott als liebenden und mächtigen Gott zeigen kann – auch denen, die zu uns kommen.

Ich wünsche so sehr, dass Gott unsere Herzen anrührt und aus unseren oft toten und kalten Herzen Edelsteine macht, die nicht nur auf unseren Vorteil und Wohlstand bedacht sind, sondern anfangen zu lieben und achtsam mit denen umzugehen, die zu uns flüchten. Lasst uns zusammen kommen um Gott zu loben und zu preisen. Und lasst uns doch Glauben gegen allen Anschein aufbringen, dass „wir es schaffen werden“, mit der Hilfe unseres Gottes, der uns diese Menschen geschickt und vor die Türe gelegt hat. Wir Schulden es ihnen, dass sie Christus kennen lernen. Amen.

21.12.2015

Es ist doch nicht so


Ich höre mich immer wieder jammern, dass viele nur an sich selbst denken und soziales Verhalten ganz hinten geschrieben wird. Am 4. Advent waren wir mittags in der Nürnberger Fußgängerzone, es war kaum Betrieb. Vor der Firma Breuninger waren drei Männer mit einem umgestürzten Weihnachtsbaum beschäftigt. Sie versuchten ihn aufzustellen. Zweimal war es schon vergeblich und er stürzte wieder um. Das Drittemal konnte ich filmen ...https://www.youtube.com/watch?v=tRe_Qp4oLi0&feature=em-share_video_user
Ich finde es klasse, dass sich die Männer um den Baum kümmerten ... Es ist ja ihre Stadt und ihre Fußgängerzone.

09.11.2015

Gedanken zum Advent - Menschen auf der Suche nach einer Bleibe

Und Maria gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge. Lukas 2,7

Menschen auf der Flucht. Auf der Suche nach einer Bleibe. Viele sind in unseren Tagen auf der Suche nach einer neuen Heimat, weil die alte in Trümmern liegt. Auf der Flucht vor der barbarischen Miliz der IS, der Scharia oder der Taliban. Ihre Heimat ist zum Spielball der Völker geworden. Saudi Arabien, Amerika, Russland , die IS und der Syrische Präsident Assad sind miteinander in unheiliger Allianz verwoben. Es wird über Jahre hinaus kaum Möglichkeiten geben dort zu leben, ohne um sein Leben fürchten zu müssen.

Nun sind diese Menschen hier bei uns. Monate waren sie auf der Flucht. Oft war unterwegs ihr Leben bedroht. Sie waren aber von der Hoffnung getrieben, der Angst und dem Schrecken zu entfliehen, eine Bleibe zu finden. Hoffnung haben sie mitgebracht, dass endlich ihr Leben wieder gut wird.

Josef war mit seiner schwangeren Maria auf Befehl des Kaisers unterwegs, um sich in Steuerlisten eintragen zu lassen. So erzählt es die Weihnachtsgeschichte. Gerade in Bethlehem angekommen, kam die Zeit, dass das Kind zur Welt kommen sollte.  Sie hatten aber noch keine Herberge, um das Kind zu gebären.
Wie romantisch wird das oft in Krippenspielen dargestellt. Der böse Wirt, der das "Pack" wegschickt ohne Erbarmen. Dann die Rettung, der Stall, die Krippe … Wir wollen das sehen, in den festlichen Weihnachtsgottesdiensten. Uns anrühren lassen durch das Spiel der Kinder: Gott, der zu uns kommt, auf der Suche nach einer Unterkunft, in der er als Mensch geboren werden kann. Der zuletzt in einem zugigen Stall Unterkunft findet. 
Wie haben wir es doch gut, wie geht es uns doch besser, als ihm, dem Retter.


Es ist alles besetzt, so klingt es auch bei uns. Wir haben Angst vor dem Fremden, vor Menschen aus einem anderen Kulturkreis, oft mit einer anderen Religion und ganz anderen Werten. Und doch, es sind Menschen, die sich nach Menschlichkeit sehnen, nach dem Ja, das Christen von ihrem Gott erfahren und nun weitergeben an die, die nichts weiter brauchen als eine Bleibe und ein Leben ohne Krieg und Terror.

Es sind 2015 andere Weihnachten als sonst. „Freue, freue dich, o Christenheit“, werden wir wieder singen. Und was ist mit denen, die ihre Existenz verloren haben und nun, mehr oder weniger geduldet, Zaungäste unseres großen christlichen Festes sind, mit einem Herzen voll Kummer und Sorgen? Ist uns das egal? Ist uns das wirklich egal? Ich sehne mich danach, dass diese Menschen wenigstens unsere Solidarität erhalten und das Ja der Hoffnung, dass wir das schon „schaffen werden, weil wir ein starkes Land sind“. 

16.06.2015

Andacht Diakonenseniorenkreis

Markus 7, 31-35 Die Heilung eines Taubstummen

31 Und als Jesus wieder fortging aus dem Gebiet von Tyrus, kam er durch Sidon an das Galiläische Meer, mitten in das Gebiet der Zehn Städte.

32 Und sie brachten zu ihm einen, der taub und stumm war, und baten ihn, dass er die Hand auf ihn lege.
33 Und er nahm ihn aus der Menge beiseite und legte ihm die Finger in die Ohren und berührte seine Zunge mit Speichel und
34 sah auf zum Himmel und seufzte und sprach zu ihm: Hefata!, das heißt: Tu dich auf!
35 Und sogleich taten sich seine Ohren auf, und die Fessel seiner Zunge löste sich, und er redete richtig.

Liebe Frauen, liebe Brüder,
fantastisch! Einfach Klasse was da passiert - damals. Wenn unsere Ohren nicht mehr richtig funktionieren, gehen wir zum Hörgeräteakustiker, lassen unser Hörvermögen testen und uns ein entsprechendes Hörgerät anpassen und dann hören wir plötzlich wieder die Vögel singen. Auch ganz gut, nein sehr gut, selbst wenn uns das Geld kostet und wir regelmäßig Batterien kaufen müssen.

Aber heute haben wir gehört, dass Jesus seine Finger in die Ohren des tauben Menschen legt, in Richtung Himmel seufzt und den Ohren den Befehl gibt sich aufzutun: Hefata!

Und was er sagt, das geschieht. Das ist das Evangelium, die frohe Botschaft, die immer wieder in der Bibel bezeugt wird. Es geschieht! Hefata! Der Taubstumme hört!

Manchmal denke ich, dass wir auch immer wieder einmal so ein Hefata! – so ein tu dich auf! nötig haben. Und das, obwohl unsere Ohren eigentlich noch ganz passabel funktionieren.
Aber das mit dem Zuhören ist nicht immer unsere Sache. Ich entdecke mich auch immer wieder dabei, dass ich bereits die Antwort kenne, bevor der Andere überhaupt ausgesprochen hat. Ich bin nicht bei ihm, sondern bei mir, bei meiner Antwort, die bereits in meinem Kopf rattert, während der andere noch spricht.
Sehnlich wünsche ich mir manchmal dieses Hefata! damit ich richtig hören kann, dass ich mit meinem ungeteilten Herzen hören kann, was den anderen bewegt oder belastet. Vielleicht fehlt mir das Seufzen in Richtung Himmel, dass Gott meine Herzensohren öffnet.

Jesus löst mit den Ohren auch die Zunge des Taubstummen. Und er redete richtig, schreibt Matthäus. Wie reden wir? Reden wir auch richtig? Oder wäre es manchmal besser, wenn wir schweigen würden? Einfach nur zum Himmel seufzen. Weil wir gehört haben und dazu nichts zu sagen haben. Und er redete richtig.
Ich bin gewiss, dass Jesus nicht nur unser Schreien hört, sondern auch richtig in eine Situation, die uns beschäftigt, hineinreden kann. Dazu brauche ich aber meine Ohren, die offen sind für das Reden des Himmels, das Reden des Heiligen Geistes, damit ich hören kann und damit ich richtig reden kann. Amen.