08.12.2016

Mustafa



Mustafa war Muizin, der in seiner Heimat in der Türkei die Muslimen zum Gebet rief. Den Koran kannte er in- und auswendig. Die Frage, was nach seinem Tod sein wird, beschäftigte ihn, den gläubigen Muslimen, ganz besonders und ließ ihn nicht mehr los. Der Koran gab ihm darauf ein "Vielleicht" zur Antwort.

In der Bibel fand er das Wort Jesu: "Wer glaubt und getauft wird, der ist gerettet" Mk 16,16. Das war es was er gesucht hatte. Darum ließ er sich taufen. "Mit meiner Taufe kam große Freude in mein Herz", erzählte er jedem der es hören oder auch nicht hören wollte. Die Folge: Versteckte und offene Drohungen, so dass er nicht mehr in seiner Heimat bleiben konnte.

Er kam nach Deutschland, dem Land der Christen. Es enttäuschte ihn, dass kaum jemand, im Mutterland der Reformation, mit ihm über seinen Glauben sprach. Er hatte erwartet bei uns fröhlichen Menschen zu begegnen, die voller Freude Jesus nachfolgten.



Werner Sirch, Niederschrift eines Gesprächs etwa im Jahr 2000

02.12.2016

Nur Wandschmiererei?

Der eine schmiert an die Wand die Aufforderung: Bete zu Jesus! Wer soll damit provoziert werden? Soll so zum Nachdenken angeregt werden? Ist es nötig Menschen in solcher Weise auf die Pelle zu rücken? Viele meinen, dass das in unserer orientierungslosen Zeit mehr als nötig ist. Oder sollte es ein schnell hingekritzeltes Glaubensbekenntnis sein?
Die Provokation hat zumindest geklappt. Der andere bessert aus: Fete statt Jesus! Das ist seins. Er will sich nicht durch fromme Sprüche nerven lassen. Beten ist für ihn vielleicht etwas ungewohntes, etwas das am Leben vorbeizugehen scheint, nutzloses Reden mit der Wand. Ich versuche zu verstehen: Es geht um die Erfahrung, dass es sich am besten auf einer tollen, fröhlichen  Fete lebt.
Mich treibt die Frage um, warum sich das ausschließt: Beten und Fete? Kann man nicht beides pflegen, jedes zu seiner Zeit? Bestimmt geht beides: Ne tolle Fete mit Freunden und Kraft schöpfen durch ein Gebet, in dem ich mich wieder sammeln kann.  

27.07.2016

Terror jetzt auch in der Kirche


Anschlag auf Kirche in Nordfrankreich Terror trotz Fußfessel

Stand: 26.07.2016 22:32 Uh
Wieder ist Frankreich von einem Terroranschlag erschüttert worden: Zwei Angreifer drangen in der Normandie in eine Kirche ein und töteten den Priester. Gegen einen der beiden lief bereits ein Terrorverfahren. Er trug eine elektronische Fußfessel.

Keine zwei Wochen nach dem Blutbad von Nizza hat ein tödlicher Anschlag Frankreich aufs Neue erschüttert: Zwei Angreifer töteten in einer katholischen Kirche einen greisen Priester mit einem Messer.
Die französischen Behörden haben inzwischen einen der Angreifer identifiziert - gegen den 19-Jährigen war in der Vergangenheit bereits ein Terrorverfahren eingeleitet worden. Nach Ermittlerangaben hatte der Mann 2015 zwei Mal versucht, nach Syrien zu gelangen. Beim zweiten Versuch wurde er in der Türkei festgenommen.


Freilassung unter Auflagen


Nach seiner Überstellung nach Frankreich wurde ein Ermittlungsverfahren gegen den Mann eingeleitet. Ihm wurde die Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung in Verbindung mit einem Terrorvorhaben zur Last gelegt. Er kam zunächst in Untersuchungshaft, wurde aber später mit einer elektronischen Fußfessel freigelassen - die er offenbar auch während des Angriffs in der Kirche trug. Der Mann stamme aus Saint-Etienne-du-Rouvray, dem Ort, an dem sich der Angriff ereignete, so der Pariser Staatsanwalt François Molins am Abend. Der zweite Täter ist ihm zufolge noch nicht identifiziert.Sprengstoffattrappen und eine Pistole
Die beiden Angreifer trugen laut Staatsanwaltschaft Sprengstoffattrappen, Messer und eine Pistole bei sich. Beim Verlassen der Kirche hätten sie sich mit dem Ruf "Allahu akbar" ("Gott ist groß") auf die Sicherheitskräfte gestürzt, sagte Molins. Daraufhin seien sie erschossen worden. Einer der beiden Täter habe eine Schusswaffe dabei gehabt. Einer der Täter trug laut Molins einen falschen Sprengstoffgürtel aus Aluminiumfolie um den Bauch und hatte drei Messer dabei. Sein Komplize hielt eine mit Aluminiumfolie umwickelte Küchenuhr in der Hand. In seinem Rucksack fand die Polizei demnach eine Sprengstoffattrappe.
Im Zuge der Ermittlungen wurde außerdem ein Minderjähriger in Polizeigewahrsam genommen. Der in Algerien geborene 16-Jährige sei der jüngere Bruder einer Person, die mit internationalem Haftbefehl gesucht werde, sagte Molins. Diese solle im März 2015 mit den Papieren des identifizierten Angreifers aus der Kirche in das irakisch-syrische Gebiet gereist sein. Die Ermittler führten auch weitere Durchsuchungen durch.

IS beansprucht Angriff für sich


Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) meldete sich über die Agentur Amaq zu Wort und beanspruchte die Tat für sich. Die Attacke sei eine Reaktion auf Forderungen des IS, Länder der US-geführten Koalition anzugreifen, die in Syrien und dem Irak gegen die Terrormiliz Luftangriffe fliegt. Zuvor hatte Staatspräsident François Hollande erklärt, die beiden Männer hätten sich zum IS bekannt.

Hollande: Angriff auf Kirche ist "Schändung der Republik"
In einer Fernsehansprache am Abend bezeichnete Hollande den Anschlag auf eine Kirche als "neue Bewährungsprobe für die Nation". "Eine Kirche anzugreifen, einen Priester zu töten, das ist eine Schändung der Republik, die die Gewissensfreiheit garantiert", sagte der Staatschef. Er rief das Land zur Einheit auf. "Was die Terroristen wollen, ist uns zu spalten", betonte Hollande.
Die Regierung werde die in den vergangenen Monaten verschärften Anti-Terror-Gesetze voll anwenden. "Aber ich sage ganz klar: Unsere Rechte zu beschränken, von unseren Verfassungsregeln abzuweichen, würde nicht mehr Wirksamkeit im Kampf gegen den Terrorismus bringen, aber ganz sicher den kostbaren Zusammenhalt unserer Nation schwächen."

"Sie haben am Altar eine Art Predigt gehalten"


Zwei Männer waren am Vormittag während einer Messe in das katholische Gotteshaus in Saint-Étienne-du-Rouvray eingedrungen und brachten den Pfarrer, zwei Nonnen und zwei weitere Gläubige in ihre Gewalt. Kurz darauf erstachen die Angreifer den 85 Jahre alten Priester. Eine weitere Geisel wurde verletzt, ist aber nicht mehr in Lebensgefahr.
Eine Augenzeugin schilderte im französischen Fernsehen Details: Die Angreifer hätten den Priester auf die Knie gezwungen und ihn mit einem Messer getötet, als er sich zu wehren versuchte. "Sie haben sich selbst gefilmt", sagte die Nonne. "Sie haben am Altar eine Art Predigt gehalten, auf arabisch. Es ist ein Horror."

Und kein Ende


Amoklauf in München (22.7.2016)
  • Was war passiert?
    Ein junger Mann hatte am Freitagabend nahe des Olympia-Einkaufszentrums im Nordosten Münchens wild um sich geschossen. Zehn Menschen kamen ums Leben, darunter der Attentäter, der sich selbst erschoss. Über 30 Menschen wurden verletzt. In der Innenstadt brach nach Falschmeldungen über einen weiteren Anschlag Panik aus.
  • Wer ist der Täter?
    Ein 18-jähriger Deutsch-Iraner. Geboren und aufgewachsen in München. David S. soll sich viel mit Computer-"Ballerspielen" beschäftigt und den Attentäter des Amoklaufs von Winnenden sowie den Massenmord des Norwegers Anders Behring Breivik verherrlicht haben. Die Handfeuerwaffe, eine Glock 17 Kaliber 9mm, hatte er sich im sogenannten "Darknet" besorgt.
  • Wer sind die Opfer?
    Der Täter hat neun Menschen erschossen. Die Opfer sind hauptsächlich Jugendliche: drei 14-Jährige, zwei 15-Jährige, ein 17-Jähriger, ein 19-Jähriger, ein 21-Jähriger und eine 45-Jährige. Die Verstorbenen sind offenbar aus München und Umgebung. Bei den Verletzten befanden sich einige Personen noch in äußerst kritischem Zustand.
  • Was ist das Tat-Motiv?
    Psychische Probleme, keine politische Motivation, willkürliche Auswahl der Opfer: Das sind erste Ermittlungsergebnisse zum Amoklauf in München. Eine spontane Tat war es demnach nicht.
  • Reaktionen zur Tat
    Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hat sich vom Anschlag in München "tief erschüttert" gezeigt. Die "brutale und menschenverachtende Tat" erfülle alle "mit Trauer und Schrecken". Die Gedanken seien bei Opfern und Angehörigen. Weiter betonte Seehofer: "Ohne Sicherheit gibt es keine Freiheit". Kanzlerin Angela Merkel äußerte sich erstmals rund 20 Stunden nach der Tat. Doch nicht nur in Deutschland, weltweit gab es Solidaritätsbekundungen.


Messer-Angriff in Reutlingen (24.7.2016)
  • Was war passiert?
    Ein Mann war mit einem langen Döner-Messer bewaffnet durch Reutlingen gelaufen und hatte um sich geschlagen. Es gab ein Todesopfer und mehrere Verletzte.
  • Wer ist der Täter?
    Auf die schriftliche Mitteilung der Polizei, dass es sich bei dem Tatverdächtigen "um einen 21-jährigen Asylbewerber aus Syrien" handele, reagierten Menschen im Internet mit fremdenfeindlichen Kommentaren. "Für den Tathergang spielt es keine Rolle", hieß es bei der Polizei. "Aber wir nennen Ross und Reiter."
  • Wer sind die Opfer?
    Eine 45 Jahre alte Frau wurde getötet. Fünf weitere Menschen wurden in der Folge verletzt.
  • Was ist das Tat-Motiv?
    Die Polizei geht aktuell von einem Beziehungsstreit aus. Anhaltspunkte für einen terroristischen Anschlag gebe es nicht.
  • Reaktionen zur Tat
    Die Bundesregierung hat sich erschüttert gezeigt. "Wir trauern mit den Angehörigen der getöteten Frau in Reutlingen und sind in Gedanken bei den Angehörigen der Verletzten von Reutlingen und Ansbach", sagte die Vize-Regierungssprecherin Ulrike Demmer.


Bombenanschlag in Ansbach (24.7.2016)
  • Was war passiert?
    In Ansbach bei Nürnberg war mindestens ein Sprengsatz explodiert - ein Mann starb, es gab mehrere Verletzte. Ziel war wohl ein Musikfestival. Bei dem Toten handelt es sich um den mutmaßlichen Täter. Der Mann wollte offensichtlich die Bombe mit scharfkantigen Metallteilen in seinem Rucksack am Konzertgelände mit etwa 2.500 Besuchern zünden. Ihm wurde aber der Einlass verwehrt.
  • Wer ist der Täter?
    Der mutmaßliche Täter ist ein 27 Jahre alter Flüchtling aus Syrien. Der Mann sei vor zwei Jahren nach Deutschland gekommen und habe einen Asylantrag gestellt. Der Antrag wurde vor einem Jahr abgelehnt, der Flüchtling sei seitdem geduldet gewesen.
  • Wer sind die Opfer?
    Zwölf Menschen wurden bei der Explosion in Ansbach verletzt, drei davon schwer.
  • Was ist das Tat-Motiv?
    Bei dem Anschlag handelt es sich um einen Terroranschlag mit islamistischer Überzeugung des Täters, sagte der bayerische Innenminister Joachim Herrmann. Der Mann beziehe sich auf Abu Bakr al-Baghdadi, den Anführer der Terrormiliz IS. Auf einem Handy gebe es eine Anschlagsdrohung des Täters selbst als Video. Der Täter kündige einen Racheakt gegen Deutsche an als Vergeltung, weil sie Muslime umbrächten. In einer ersten Übersetzung des arabischen Textes heiße es, der Täter handle im Namen Allahs. Zuvor war bekannt geworden, dass der 27-Jährige nach Bulgarien abgeschoben werden sollte. Der Mann sei öfter in psychiatrischer Behandlung gewesen, hieß es. Er soll bereits zweimal versucht haben, sich das Leben zu nehmen. Der Mann ist nach Angaben der Polizei schon früher strafrechtlich in Erscheinung getreten. Er sei wiederholt auffällig geworden, unter anderem wegen eines Drogendelikts, sagte Herrmann.
  • Reaktionen zur Tat
    "Meine persönliche Einschätzung ist, dass ich es leider für sehr naheliegend halte, dass hier ein echter islamistischer Selbstmordanschlag stattgefunden hat", sagte Bayerns Innenminister Herrmann am frühen Montagmorgen der Deutschen Presse-Agentur. Auf die Frage, ob der Täter im Zusammenhang mit der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS)stehe, sagte der Minister: "Es ist dies auf jeden Fall nicht auszuschließen." Konkrete Hinweise auf den IS gebe es allerdings noch nicht.


19.07.2016

Mitte Juli 2016 Gedanken einer schweren Woche



Es sind wahrlich schwierige Zeiten in denen wir leben. Die Nachrichten erdrücken uns: Nizza - 84 Menschen, die an der „Bucht der Engel“ durch das Attentat mit einem LKW ihr Leben verloren haben.

Mitten in die Trauer hinein um die Toten und die vielen, vielen Verletzten, erreicht uns die Nachricht vom Putsch in der Türkei. Mindestens 290 Menschen verlieren ihr Leben und mehr als 1.000 sind verletzt.
Nach dem gescheiterten Putsch blühen in der Türkei Verschwörungstheorien, nach welchen der Exilprediger Gülen, ein islamistisches Netzwerk oder gar Staatspräsident Erdogan selbst hinter dem Putsch steckt.

Erschreckend für mich sind die sofort einsetzenden Säuberungsaktionen Erdogans – geradeso als hätte es entsprechende Namenslisten schon vorher gegeben.
Tausende Richter, Staatsanwälte und Militär werden abgesetzt, ebenso weitere 9.000 Beamte, vor allem Polizisten und mehr als ein Drittel der Provinz-Gouverneuere. Inzwischen wird der Ruf nach einer Wiedereinführung der Todesstrafe in der Türkei immer lauter.

Heute Morgen erschreckt die Meldung, dass ein 17-jähriger afghanischer Asylbewerber in der Nähe von Würzburg in einem Regionalzug Reisende mit einer Axt und einem Messer angegriffen hat. Drei Menschen wurden lebensgefährlich verletzt, ein vierter leichter. Der Täter wurde, als er die Polizei angegriffen hat erschossen. Am späten Vormittag wird von einer IS nahen Agentur gemeldet, dass der Angreifer ein Kämpfer des Islamischen Staates war.

Heute ist Bruder Stadelmann im Kreise der Ruhestandsdiakone, um über die Rummelsberger Flüchtlinge zu berichten. Wie geht’s den Menschen hier, bei uns in Rummelsberg? Wie geht es ihnen mit solch schrecklichen Nachrichten, die wohl auch an Vieles erinnern, wovor sie geflohen sind.

Wie geht es unseren Rummelsberger Mitarbeitern, fühlen sie sich sicher, oder müssen sie mit solchen spontanen und brutalen Aktionen von traumatisierten und u. U. radikalisierten Menschen rechnen?

12.07.2016

Gedanken zur Internetkommunikation

Gedanken zur modernen Internet-Kommunikation (aus dem Gedächtnis wiedergegeben):

Kinder, die im kindlichen Alter mit ihrem Smartphon in WhatsApp-Gruppen verkehren, setzen sich ständiger Lebenskommentare durch ihre Gruppe aus. Alles was sie tun oder nicht tun wird in irgend einer Weise kommentiert. Sie erfahren eine beständige Spiegelung ihres Lebens durch die Gruppe und damit auch der Manipulation.
Für die persönliche und psychische Entwicklung des Kindes ist das bedenklich.

Mein Leben wird über mein Verhältnis zu Gott gespiegelt. Ich mache mich nicht von irgendwelchen Gruppen abhängig. Es gehört zu meinem Selbstbild, dass ich Gott gegenüber verantwortlich bin und nicht irgendwelchen Internetgruppen.


Google und ähnliche Unternehmen betreiben eine totalitäre Gesamtschau des Menschen. Hier wird der gesamte Lebenslauf des Menschen festgehalten und kommentiert.
So wie das die vorreformatorische Kirche getan hat. Sie hat damals den Menschen von der Wiege bis zur Bahre betreut und alles von ihm gewusst. Der Mensch war nicht mehr frei, sondern beeinflussbar, manipulierbar. 

02.06.2016

Predigt Epheserbrief 2,17-22

2. Sonntag nach Trinitatis 05.06.2016 - Fürth-St. Paul

17 Christus ist gekommen und hat im Evangelium Frieden verkündigt euch, die ihr fern wart, und Frieden denen, die nahe waren. 18 Denn durch ihn haben wir alle beide in einem Geist den Zugang zum Vater. 19 So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen, 20 erbaut auf den a Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist, 21 auf welchem der ganze Bau ineinandergefügt wächst zu einem heiligen Tempel in dem Herrn. 22 Durch ihn werdet auch ihr miterbaut zu einer Wohnung Gottes im Geist.

Liebe Gemeindeglieder,
liebe Schwestern und Brüder,

1. Frieden in einer friedlosen Welt

Alle Welt ruft nach Frieden, aber es ist kein Frieden. Kein Frieden unter den Völkern, kein Frieden in den Familien, kein Frieden unter den Religionen. Dabei sehnen wir uns nach Frieden. Können nicht miteinander leben im Hass, mit Mord und Totschlag, Krieg und Terror. Leben ohne Liebe, Leben in Furcht und Angst entstellt uns und gibt uns ein ganz böses Gesicht. Solch ein Leben macht uns körperlich und seelisch krank.

2. Befreit durch Christus

Gott will, dass wir frei sind. Frei von Krieg und Terror, Hass und Zerstörung, Angst und Sorgen. Durch Christus befreite Menschen. Das gilt für die, die Gott fern sind ebenso, wie denen, die schon immer Gott nahe waren. (Heute würden wir sagen: Christlich sozialisiert sind.) Durch Christus
 sind wir befreite Menschen. Frei von Bindungen und Gebundenheiten. Frei davon, uns selbst gerecht zu sprechen. Frei von Bevormundung. Frei von der Macht des Kapitals, vom Egoismus, vom Hass, der Gleichgültigkeit und anderen Mächten die unser Leben bestimmen wollen.

3. Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen

Wir sind nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen. Wir gehören dazu. Wir sind Gottes Kinder, die den Vater im Himmel kennen und zu ihm gehören.
Hausgenossen sehnen sich nach Gemeinschaft, leben mit einander, freuen sich und trauern mit einander. Und leiden manchmal auch an einander. Aber sie vertrauen einander.
Mittelpunkt, Zentrum, der Eckstein der alles Zusammenhält ist Christus. Er hat unsere Bindungen, unsere Sünde und Schuld ans Kreuz getragen, damit wir frei sind. Ich denke an das was Paulus im Galatherbrief schreibt. Galather 5,1 „Zur Freiheit hat euch Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder unter das Joch der Knechtschaft zwingen.“ Wir werden keine Gerechtigkeit vor Gott finden durch Gesetzlichkeit, Selbstgerechtigkeit, Hass oder weil wir uns vornehmen ein besserer Mensch zu werden. Im Gegenteil, es nimmt uns die von Christus geschenkte Freiheit. Wir sind Gottes Mitbürger und Hausgenossen, weil uns Christus durch seinen Tod und seine Auferstehung dazu befreit hat. Liebe Gemeinde, was könnten wir, zu dem was Jesus für uns getan hat, aus eigener Kraft noch hinzufügen?

4. Von Christus geschenkte Freiheit

Die von Christus geschenkte Freiheit ist aber nicht bindungslose Freiheit, die gegenüber niemandem verantwortlich ist und nur für die eigene Lust oder Unlust lebt. Luther schreibt:
„Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemandem untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.“ Freiheit, wirkliche Freiheit kann nur in Bindung gelebt werden. Und so sind wir als Christen befreit für ein Leben mit anderen Menschen, in unserer Familie und im großen Haus dieser Welt, wie Martin Luther King es beschrieben hat:
Ein großes Haus der Welt, in dem wir zusammenleben müssen:
Schwarze, Weiße, Morgenländer und Abendländer,
Juden und Nichtjuden
Katholiken und Protestanten.
Eine Familie, die in Ideen, Kultur und Interessen zu Unrecht getrennt ist.
Weil wir niemals wieder getrennt leben können, werden wir lernen müssen, in Frieden miteinander auszukommen.
Alle Bewohner der Erde sind Nachbarn.
Soweit Martin Luther King.

5. Christus ist gekommen

Wir lesen in unserem Predigttext:
17 Christus ist gekommen, um uns Frieden zu verkündigen, denen, die ihn kennen und denen, die fern sind von ihm.
Jesus will das heilen, was in uns zerbrochen ist: Unsere Unmöglichkeit mit uns selbst im Frieden zu leben, mit unserem Nachbarn, mit unserer Familie, mit Gott.
Wir vergeuden soviel Energie und Kraft mit unseren Streitigkeiten, mit unserer Verletzlichkeit, mit unserem Hunger nach Macht und dem Willen andere beherrschen zu wollen. Wir vergeuden Energie und Kraft, weil wir uns der Angst und Vorurteilen hingeben. Kraft, die wir an anderer Stelle dringend brauchen – ganz aktuell, fremden Menschen gegenüber, die sich zu uns flüchten um Verfolgung oder Hunger zu entkommen. Dabei sind wir nicht ganz unschuldig an ihrer Situation. Ohne schlechtem Gewissen haben wir ihre Landwirtschaft ruiniert und sie zu Billigkräften gemacht, um unseren Wohlstand zu mehren. Wir haben glänzende Geschäfte mit Waffen gemacht, vor welchen sie jetzt auf der Flucht sind. Sie haben um Hilfe gerufen, aber unsere Ohren sind taub. Jetzt kommen sie zu uns, weil unsere Hilfe nicht zu ihnen kommt.

6. Aufschrei

Norbert Blüm, Minister im Kabinett Kohl, schreibt in seinem Buch „Aufschrei! Wider die erbarmungslose Geldgesellschaft“, ein Kapitel über „Vorteilssuche als Weltformel“. Er zitiert darin den US-amerikanischen Ökonomen Garry S. Becker: „Der Mensch ist ein Vorteilssucher, sonst nichts.“ Das bringt Blüm zu der Frage, wer uns davor rettet, dass unser ganzes Leben eine Kalkulation von Vorteilen wird.
„Kein Handschlag ohne vorherige Berechnung, welche Vorteile damit verbunden sind. Keine Freundlichkeit, ohne vorher zu überlegen, was sie mir bringt. Selbst Lachen ist nur erwünscht, weil es gesund ist. Nichts gilt, was ‚nichts bringt‘.“ Und er sieht bei uns die hässliche Fratze der Geldgier. „Während in der islamische Welt sich eine Regression (eine Rückentwicklung) zum blutigen Fundamentalismus vollzieht, verflacht der Westen in einem unterhaltsamen oberflächlichen Konsumismus, dessen letztlicher Lebenssinn die Vorteilsnahme ist.“
Blüm weist darauf hin, dass sich keine Gesellschaft dauerhaft auf Vorteilssuche aufbauen lässt. „Ohne Vertrauen bricht die Gesellschaft mit allem, was dazu gehört, zusammen.
Ohne Vertrauen funktioniert selbst die Wirtschaft nicht. Geld verliert über Nacht seinen Wert, wenn die Menschen nicht mehr darauf vertrauen, dass es etwas wert ist. ‚An sich‘ ist Geld eine Null. Denn Geld ist eigentlich ein Vertrag zwischen seinen Benutzern. Ein Vertrag ist jedoch ein Fetzen Papier, wenn die Vertragspartner nicht ein Mindestmaß von gegenseitigem Vertrauen aufbringen.

7. Flüchtlinge was nun

Flüchtlinge was nun? Gibt es für uns einen Vorteil? Wir stehen da und überlegen was wir machen sollen, mit den vielen Menschen aus anderen Ländern. Sind sie nicht auch Geschöpfe Gottes, von ihm geliebt? Wir überlegen was billiger kommt. Zäune bauen und in Kauf nehmen, durch den behinderten Warenverkehr 5% weniger Waren in andere Länder zu verkaufen, oder Flüchtlinge aufzunehmen und bei uns zu integrieren?
Was ist für uns nützlicher?
Ist das der Umgang mit Menschen, die Ihrer Heimat beraubt, durch Flucht ihr Leben gerettet haben, den brutalen Kopfabschneidern der IS, den Bomben und Gewehren, dem Hunger und der Perspektivlosigkeit ihres Lebens entronnen sind? Wie können wir die Frage beantworten wo diese Menschen hin sollen? Wo können sie sich sicher fühlen, ohne Hunger und mit menschlicher Würde leben? Oder geht uns das nichts an, weil für uns die Nützlichkeitsberechnungen nicht aufgehen? Was ist unsere Angst vor Flüchtlingen wert gegenüber der Angst, die diese Menschen erlitten haben und nun ertragen müssen, weil sie zwar ihr Leben gerettet haben, aber niemand sie haben will?
Warum fällt es uns so schwer darauf zu vertrauen, dass sie nicht kommen, um uns als Islamisten zu bedrohen und unsere in christlicher Freiheit lebende Gesellschaft zu zerstören?

8. Lebendiger Stein, der von den Menschen verworfen ist, aber bei Gott auserwählt und kostbar.

Meine provokative These: Sie kommen, um sich als Steine in den Bau einer christlich-freiheitlichen Gesellschaft einzufügen. Ich möchte das jedenfalls so glauben. (Bitte verhöhnen Sie mich jetzt nicht als einen von den so genannten Gutmenschen.) Natürlich kommen auch andere, die nichts Gutes vorhaben. Und für die dürfen wir genauso beten. Auch für die Schläfer die auf ihre Chance warten um möglichst großes Unheil anzurichten. Wir haben aber den Vater im Himmel, der über allem steht. Darum müssen wir uns nicht bestimmen lassen von der Angst vor Flüchtlingen und was durch sie geschieht oder geschehen könnte. Und wir haben Christus, der für alle Menschen gestorben und auferstanden ist. In uns lebt der Heilige Geist, der Menschenherzen wenden und den dreieinigen Gott als liebenden und mächtigen Gott zeigen kann – auch denen, die zu uns kommen.

Ich wünsche so sehr, dass Gott unsere Herzen anrührt und aus unseren oft toten und kalten Herzen Edelsteine macht, die nicht nur auf unseren Vorteil und Wohlstand bedacht sind, sondern anfangen zu lieben und achtsam mit denen umzugehen, die zu uns flüchten. Lasst uns zusammen kommen um Gott zu loben und zu preisen. Und lasst uns doch Glauben gegen allen Anschein aufbringen, dass „wir es schaffen werden“, mit der Hilfe unseres Gottes, der uns diese Menschen geschickt und vor die Türe gelegt hat. Wir Schulden es ihnen, dass sie Christus kennen lernen. Amen.

21.12.2015

Es ist doch nicht so


Ich höre mich immer wieder jammern, dass viele nur an sich selbst denken und soziales Verhalten ganz hinten geschrieben wird. Am 4. Advent waren wir mittags in der Nürnberger Fußgängerzone, es war kaum Betrieb. Vor der Firma Breuninger waren drei Männer mit einem umgestürzten Weihnachtsbaum beschäftigt. Sie versuchten ihn aufzustellen. Zweimal war es schon vergeblich und er stürzte wieder um. Das Drittemal konnte ich filmen ...https://www.youtube.com/watch?v=tRe_Qp4oLi0&feature=em-share_video_user
Ich finde es klasse, dass sich die Männer um den Baum kümmerten ... Es ist ja ihre Stadt und ihre Fußgängerzone.

09.11.2015

Gedanken zum Advent - Menschen auf der Suche nach einer Bleibe

Und Maria gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge. Lukas 2,7

Menschen auf der Flucht. Auf der Suche nach einer Bleibe. Viele sind in unseren Tagen auf der Suche nach einer neuen Heimat, weil die alte in Trümmern liegt. Auf der Flucht vor der barbarischen Miliz der IS, der Scharia oder der Taliban. Ihre Heimat ist zum Spielball der Völker geworden. Saudi Arabien, Amerika, Russland , die IS und der Syrische Präsident Assad sind miteinander in unheiliger Allianz verwoben. Es wird über Jahre hinaus kaum Möglichkeiten geben dort zu leben, ohne um sein Leben fürchten zu müssen.

Nun sind diese Menschen hier bei uns. Monate waren sie auf der Flucht. Oft war unterwegs ihr Leben bedroht. Sie waren aber von der Hoffnung getrieben, der Angst und dem Schrecken zu entfliehen, eine Bleibe zu finden. Hoffnung haben sie mitgebracht, dass endlich ihr Leben wieder gut wird.

Josef war mit seiner schwangeren Maria auf Befehl des Kaisers unterwegs, um sich in Steuerlisten eintragen zu lassen. So erzählt es die Weihnachtsgeschichte. Gerade in Bethlehem angekommen, kam die Zeit, dass das Kind zur Welt kommen sollte.  Sie hatten aber noch keine Herberge, um das Kind zu gebären.
Wie romantisch wird das oft in Krippenspielen dargestellt. Der böse Wirt, der das "Pack" wegschickt ohne Erbarmen. Dann die Rettung, der Stall, die Krippe … Wir wollen das sehen, in den festlichen Weihnachtsgottesdiensten. Uns anrühren lassen durch das Spiel der Kinder: Gott, der zu uns kommt, auf der Suche nach einer Unterkunft, in der er als Mensch geboren werden kann. Der zuletzt in einem zugigen Stall Unterkunft findet. 
Wie haben wir es doch gut, wie geht es uns doch besser, als ihm, dem Retter.


Es ist alles besetzt, so klingt es auch bei uns. Wir haben Angst vor dem Fremden, vor Menschen aus einem anderen Kulturkreis, oft mit einer anderen Religion und ganz anderen Werten. Und doch, es sind Menschen, die sich nach Menschlichkeit sehnen, nach dem Ja, das Christen von ihrem Gott erfahren und nun weitergeben an die, die nichts weiter brauchen als eine Bleibe und ein Leben ohne Krieg und Terror.

Es sind 2015 andere Weihnachten als sonst. „Freue, freue dich, o Christenheit“, werden wir wieder singen. Und was ist mit denen, die ihre Existenz verloren haben und nun, mehr oder weniger geduldet, Zaungäste unseres großen christlichen Festes sind, mit einem Herzen voll Kummer und Sorgen? Ist uns das egal? Ist uns das wirklich egal? Ich sehne mich danach, dass diese Menschen wenigstens unsere Solidarität erhalten und das Ja der Hoffnung, dass wir das schon „schaffen werden, weil wir ein starkes Land sind“. 

16.06.2015

Andacht Diakonenseniorenkreis

Markus 7, 31-35 Die Heilung eines Taubstummen

31 Und als Jesus wieder fortging aus dem Gebiet von Tyrus, kam er durch Sidon an das Galiläische Meer, mitten in das Gebiet der Zehn Städte.

32 Und sie brachten zu ihm einen, der taub und stumm war, und baten ihn, dass er die Hand auf ihn lege.
33 Und er nahm ihn aus der Menge beiseite und legte ihm die Finger in die Ohren und berührte seine Zunge mit Speichel und
34 sah auf zum Himmel und seufzte und sprach zu ihm: Hefata!, das heißt: Tu dich auf!
35 Und sogleich taten sich seine Ohren auf, und die Fessel seiner Zunge löste sich, und er redete richtig.

Liebe Frauen, liebe Brüder,
fantastisch! Einfach Klasse was da passiert - damals. Wenn unsere Ohren nicht mehr richtig funktionieren, gehen wir zum Hörgeräteakustiker, lassen unser Hörvermögen testen und uns ein entsprechendes Hörgerät anpassen und dann hören wir plötzlich wieder die Vögel singen. Auch ganz gut, nein sehr gut, selbst wenn uns das Geld kostet und wir regelmäßig Batterien kaufen müssen.

Aber heute haben wir gehört, dass Jesus seine Finger in die Ohren des tauben Menschen legt, in Richtung Himmel seufzt und den Ohren den Befehl gibt sich aufzutun: Hefata!

Und was er sagt, das geschieht. Das ist das Evangelium, die frohe Botschaft, die immer wieder in der Bibel bezeugt wird. Es geschieht! Hefata! Der Taubstumme hört!

Manchmal denke ich, dass wir auch immer wieder einmal so ein Hefata! – so ein tu dich auf! nötig haben. Und das, obwohl unsere Ohren eigentlich noch ganz passabel funktionieren.
Aber das mit dem Zuhören ist nicht immer unsere Sache. Ich entdecke mich auch immer wieder dabei, dass ich bereits die Antwort kenne, bevor der Andere überhaupt ausgesprochen hat. Ich bin nicht bei ihm, sondern bei mir, bei meiner Antwort, die bereits in meinem Kopf rattert, während der andere noch spricht.
Sehnlich wünsche ich mir manchmal dieses Hefata! damit ich richtig hören kann, dass ich mit meinem ungeteilten Herzen hören kann, was den anderen bewegt oder belastet. Vielleicht fehlt mir das Seufzen in Richtung Himmel, dass Gott meine Herzensohren öffnet.

Jesus löst mit den Ohren auch die Zunge des Taubstummen. Und er redete richtig, schreibt Matthäus. Wie reden wir? Reden wir auch richtig? Oder wäre es manchmal besser, wenn wir schweigen würden? Einfach nur zum Himmel seufzen. Weil wir gehört haben und dazu nichts zu sagen haben. Und er redete richtig.
Ich bin gewiss, dass Jesus nicht nur unser Schreien hört, sondern auch richtig in eine Situation, die uns beschäftigt, hineinreden kann. Dazu brauche ich aber meine Ohren, die offen sind für das Reden des Himmels, das Reden des Heiligen Geistes, damit ich hören kann und damit ich richtig reden kann. Amen.

16.04.2015

FIAT 500L: Schreck in der Abendstunde


Gestern Schreck in der Abendstunde

Ich holte etwas aus dem "Kofferraum" meines FIAT 500L. Als ich die Heckklappe zumachte, tat es einen lauten Knall, die Türe flog mit Wucht zu und ein Teil des linken Rücklichts flog mir um die Ohren. "Was war denn das?", fragte ich erschrocken meine Frau, die daneben stand. Passanten hoben den Kopf, um zu sehen was es da wohl für einen Unfall gegeben habe. Vorsichtig machte ich die Heckklappe auf und stellte fest, dass sie kaum zu heben war, so schwer war sie. Dann sahen wir das Übel: Der linke Liftomat war an der Türseite ausgehängt und hatte das Rücklicht kaputt geschlagen, als die Türe ungebremst und mit voller Wucht zuschlug.
Naiv hängte ich ihn wieder ein, aber beim Versuch die Türe zu schließen, knallte sie wieder herunter. Der Liftomat hatte sich wieder ausgehängt.

Irgendwie hatten meine Frau und ich das Gefühl Glück gehabt zu haben, denn durch die ungebremst herabknallende Tür kann man durchaus, wenn's schlecht geht, auch erschlagen werden.

19.03.2015

Krebs - Mein Weg


Ich weiß nicht was für ein Weg es sein wird. Ich weiß nicht wo und wie der Weg endet. Ich weiß nur, dass ich diesen Weg gehen muss und ich weiß, dass ich auf diesem Weg nicht allein bin.

 19.03.2015
„Das haben Sie aber schon länger“, sagt mir der Arzt auf den Kopf zu. Er hat recht, mindestens 10 Jahre.

Vor ein paar Jahren hatte ich es dem Hausarzt gezeigt, weil es mich seit vielen Jahren an der rechten hinteren Kopfhälfte belästigt. Es juckt wie eine heilende Wunde und wenn der Schorf abgeht, blutet es ein wenig. Der Arzt meinte: „Das juckt, weil es heilt“. Ich überlege, warum er mich nicht schon damals zum Hautarzt geschickt hat. Gleichzeitig überlege ich, warum ich nicht stur war und weitere Maßnahmen veranlasst haben wollte. Vielleicht war es die mir angeborene Feigheit, die mit dieser Antwort sehr zufrieden war. Irgendwie fühle ich mich an mir selbst schuldig.

 Heute, endlich Besuch beim Hautarzt (Dermatologen), nach vier Wochen Wartezeit. Nach einem prüfenden Blick durch den Spezialisten die Diagnose: Es ist es (noch) weißer Hautkrebs. Irgendwie trifft mich diese Nachricht, obwohl ich solch ein Ergebnis bereits geahnt hatte.

 Am kommenden Montag wird er eine Probe von meinem Kopf entnehmen und einschicken, damit die Histologie des Krebses festgestellt werden kann. Danach wollen wir das Weitere besprechen: Bestrahlung oder Operation. Es ist keine Eile, denn der Krebs wächst langsam …

23.03.2015
Heute Entnahme der Gewebeprobe. Das hatte ich mir schlimmer vorgestellt. Nächste Woche Dienstag (Karwoche), wird der Faden entfernt und das Weitere besprochen, wenn bis dahin das Ergebnis der Untersuchung der Gewebeprobe vorliegt.

31.03.2015
Entfernen der Fäden am Kopf, an der Stelle, wo die Gewebeproben genommen wurden.
Das Ergebnis der Gewebeprobe ist noch nicht vorhanden. Ein Anruf der Sprechstundenhilfe im Labor, das die Gewebeproben untersuchen sollte, ergab, dass diese erst am Freitag dort eingetroffen sind (obwohl sie bereit sam Montag entnommen wurden). Am Donnerstag (Gründonnerstag) soll das Ergebnis jetzt beim Arzt vorliegen. Ich kann dann anrufen und nachfragen, ob das nun wirklich so ist. Wenn ja, dann bekomme ich eine Einweisung ins Krankenhaus. Wenn nein, kann ich mich am 20. April, nach dem Urlaub des Arztes, wieder melden.

01.04.2015 (zwei Tage vor Gründonnerstag)
Mir fällt ein Stein vom Herzen, es ist der weiße Hautkrebs. Ich bin dankbar dafür! Damit habe ich gute Heilungschancen. Vorstellungstermin in der Klinik ist Mitte April, dann geht es weiter.

15.04.2015
Vorstellung überstanden. Der Krebs ist 2cm x 3cm groß und benötigt nach der OP eine Hauttransplantation um die Wunde zu schließen. Das wird etwa 2 1/2 Wochen nach der ersten Operation erfolgen. Das bedeutet nochmals einige Tage Aufenthalt in der Klinik.
Die Entfernung des Krebses erfolgt am 27.04.2015. Ein, zwei Tage stationären Aufenthalt sind nötig.

30.04.2015
Gestern wurde ich aus der Klinik entlassen. Die Operation verlief erfolgreich. Das Basaliom konnte vollständig im gesunden entfernt werden. Am 15,05, erfolgt Wiederaufnahme in der Klinik, um die Wunde durch Hautübertragung zu verschließen. Bis dahin erfolgt regelmäßiger Verbandswechsel durch den Dermatologen.

15.05.2015
Heute rücke ich wieder in der Klinik ein zur Hauttransplantation. Damit wird die Operationswunde verschlossen. Ich hoffe, dass alles gut geht und einen guten Heilungsverlauf nimmt.
Am Mittag fand die Operation statt. Die Spenderhaut  wurde am rechten Oberarm abgenommen. Mit einem Spezialhobel, wenn ich es noch richtig weiß 0,2 mm stark, 3 x 4 cm groß. Die Haut wurde auf der Wunde befestigt und mit vielen kleinen Stichen angenäht. Anschließend wurde ich wieder eingebunden, so dass fast nur noch Augen, Nase, Mund und Ohren herausschauten. Mit diesem Verband wollte möglichst hoher Druck auf die transplantierte Stelle gegeben werden, damit die dünne Haut gut durchblutet wird und anwachsen kann.

Nun galt es zu warten, vom Frühstück zum Mittagessen, zum Abendbrot. Das war die ganze Beschäftigung. Langweiliges Leben.

Am Montag, 18.05. erste Besichtigung der OP-Wunde. Es sieht noch ein bisschen blass aus. Einneuer Druckverband soll Abhilfe schaffen.

19.05.2015
Betten werden gebraucht, ich darf nach Hause. Inzwischen hat die transplantierte Haut rosa Farbe (Zeichen, dass sie durchblutet wird).

20.05.2015
Ich stelle mich bei meinem Hautarzt zur Weiterbehandlung vor. Die Transplantierte Haut hat die gute rosa Farbe, aber unter der Haut ist Sekret (Flüssigkeit). Das muss weg. Der Arzt sticht die Blase auf. Es wird ein neuer Druckverband angelegt. Ich werde gebeten immer wieder dagegen zu drücken und mich auf den Verband zu legen um den Druck zu erhöhen. "Wir bekommen das schon hin", meint beruhigen der Arzt und verabschiedet mich bis morgen.

21.05.2015
Es sieht heute etwas besser aus. Es muss weiter Druck ausgeübt werden. Ich werde heute wieder meinen Kopf so legen, dass er Druck auf die Stelle ausübt.
Heute wurde auch die Hautentnahmestelle am rechten Arm neu verbunden. Es sieht gut aus!

22.05.2015
Weiterhin ist das Transplantat wunderbar durchblutet und rosa. Es bildet sich aber weiterhin eine Blase, die heute wieder aufgestochen wurde mit der Hoffnung, dass das Sekret abfließt und gute Heilung passiert. Nächster Arzttermin ist nach Pfingsten mit dem Ziehen der Fäden.

26.05.2015
Dienstag nach Pfingsten. Wieder beim Verbinden beim Hautarzt. Das Fäden ziehen hat manchmal ein bisschen gezwickt, war aber gut auszuhalten. Die Wunde am Arm ist zur Hälfte bereits abgeheilt, tat aber trotzdem beim Verbandwechsel höllisch weh. Am Kopf war diesmal nur eine ganz kleine Blase. Die Haut ist wunderbar durchblutet. Das scheint also auch in die richtigen Bahnen zu kommen.
Es nervt, gerne hätte ich einen schnelleren Heilungsfortschritt. Der Werner scheint aber ein wenig Geduld lernen zu müssen. Cristin bangt schon um unsere geistliche Freizeit Mitte Juni. Sie möchte so gerne nach Schönebeck, zu der auch ihre beste Freundin und Trauzeugin Lydia von Rügen hinkommt. Gebet, Hoffnung und Geduld - drei Worte sind es, die uns bewegen.

28.05.2015
Heute plumpsen die Steine runter. Die transplantierte Haut ist überall fest. Kann am Samstag zum Haare waschen und schneiden zum Frisör. Es darf nur noch nicht gerubbelt werden. Im Augenblick hab ich nur noch einen Schutzverband, Ab Samstag brauch ich den nicht mehr. Am Sonntag muss die Armwunde neu verbunden werden. Material hab ich bekommen, Cristin macht das.
Es ist ein guter Tag heute, bin richtig froh.
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22.10.2014

Besinnliche Worte zur Tageslosung

21. Oktober 2014 - Seniorenkreis der Rummelsberger Brüderschaft und ihrer Frauen

Losung 21.10. – Psalm 23,5
Ich sprach: Ich will dem Herrn meine Übertretungen bekennen. Da vergabst du mir die Schuld meiner Sünde.

Liebe Schwestern und Brüder,

ich weiß nicht, wem der Name Uwe Holmer ein Begriff ist. Pastor Uwe Holmer ist der Pfarrer, der dem schwer kranken Erich Honecker und seiner Frau sein Haus öffnete, als diese Ende Januar '90 Wandlitz verlassen mussten, kein Zuhause mehr hatten, also Obdachlos waren. Es war eine nicht leichte, eine verfahrene und durchaus auch gefährliche Situation, denn gegen Honecker richtete sich der Zorn des Volkes für das was er ihm angetan hatte und man war nicht sicher, wann der Mob in das Pfarrhaus eindringen würde, um Rache zu nehmen.

Es ist bemerkenswert, dass Pastor Holmer es auf sich genommen hatte, die Honeckers in den Kinderzimmern im Pfarrhaus in Lobetal wohnen zu lassen. Holmer schreibt: „Unsere Familie hat diesen Schritt nicht getan aus Sympathie mit dem alten Regierungssystem. Von unseren 10 Kindern haben wir für 8 einen Antrag auf den Besuch der Erweiterten Oberschule gestellt. Keines von ihnen wurde angenommen trotz guter und bester Zensuren.“ Pastor Holmer hätte also auch so manche Rechnung mit den Honeckers offen gehabt, hat sich aber als Nachfolger Jesus dafür entschieden den Honeckers zu vergeben. Auch wenn das nicht leicht war.

Ein bemerkenswerter Mann, dieser Pastor aus Lobetal, der sich, und seine Familie mit ihm, in einem von Hass erfüllten Umfeld zu einem ganz anderen Weg entschieden hatte. Er nahm es hin und riskierte, dass er damit auch sich und seine Familie in Gefahr brachte. Auch von Leuten aus der Kirche wurde ihm energisch abgesprochen, dass er den Honeckers Vergebung zusprechen kann, nicht nur von denen auf der Straße – die wollten Blut oder viele Jahre Zuchthaus sehen. 

Ich überlege, was das für ein Mensch war, dieser Pastor Holmer. In der Einführung zu seinem Buch "Der Mann bei dem Honecker wohnte", erzählt er eine Begebenheit, die ahnen lässt wie er war und wie er dachte. Er schreibt:


Wieder einmal wurde ich von einem Fernsehsender zum Interview eingeladen. Als das Interview beendet war meinte der Redakteur: "Wir haben jetzt Feierabend, sitzen aber noch ein wenig zusammen bei einer Tasse Kaffee und einem Brötchen. Setzen Sie sich doch dazu." So saßen wir fünf Personen beieinander und plauderten. Plötzlich sagte der Chef: "Nun wir haben ja mal einen Pastor hier! Sagen Sie, da gibt es doch bei den Christen solche Gesetze, dass man nur eine Frau haben soll?"
Ich: "Ja, das 6. Gebot: Du sollst nicht ehebrechen."
Er: "Und das halten Sie für gut?"
Ich: "Ja!"
Er: "Sagen sie bloß, Sie haben immer nur eine Frau gehabt."
Ich: "Ja!"
Er: "Sagen Sie, kommen Sie vom Mond oder wo kommen sie her? Sie passen ja überhaupt nicht in diese Gesellschaft!"
Ich lächelte ihn an und sagte: "Aber meine Frau ist glücklich und ich auch – und unsere Kinder noch mehr!"
Danach fuhr der Redakteur mich in mein Hotel. Nun waren wir allein, und ich fragte ihn: "Sind sie verheiratet?"
Er: "Nein."
Ich: "Leben Sie mit jemandem zusammen?"
Er: "Ja!"
Ich: "Sind Sie glücklich?"
Er: "Nein."
"Sehen Sie", sagte ich, "das ist der Unterschied: Ich  bin mit Gottes Geboten "vom Mond" sehr glücklich und meine ganze Familie auch. Sie aber werfen dies alles als völlig altmodisch über Bord. Sie halten sich für frei, sind stolz auf ihre Freiheit – und sind unglücklich!" Er sagte nichts mehr.


Ich sprach: Ich will dem Herrn meine Übertretungen bekennen. Da vergabst du mir die Schuld meiner Sünde.

Ich spüre beim Lesen dieser Erzählung etwas von der Freiheit, die Menschen haben die "lauter" sind. Menschen, die eine Atmosphäre der Klarheit und Reinheit ausstrahlen. Solche Menschen haben etwas ganz Besonderes an sich, die in ihrer Bindung an Gott, und im Glauben an die Liebe Jesu, so geworden sind.

Aber es gilt auch, dass wir zu Jesus kommen dürfen, wo wir versagt haben, in unserem Leben nicht klar und eindeutig waren, gestolpert und gefallen sind. Ihn dürfen wir unser Verkehrtsein bekennen und um Vergebung bitten. Dann es wird das Wort unseres heutigen Lehrtextes an uns wahr werden: In Jesus Christus haben wir die Erlösung, nämlich die Vergebung der Sünden (Kol 1,14). Es ist Erlösung Vergebung zu haben, vom Verkläger nicht mehr verklagt zu werden. Wir dürfen aufstehen und neu anfangen! Amen.

31.07.2014

Damit die NAMEN nicht VERLOREN gehen



Damit die NAMEN nicht VERLOREN gehen ...
unter dieser Überschrift wurde, in Erinnerung an den Beginn des 1. Weltkriegs am 28. Juli 1914, eine Klanginstallation in der Fürther Kirche St. Paul eröffnet.

Acht Gemeindeglieder - vom Hortschüler bis zum Rentner - bringen noch einmal die Namen der 355 Gefallenen von St. Paul zu Gehör. Sie sprechen stellvertretend für die 17 Millionen Toten des ersten Weltkriegs und die unzähligen Verwundeten, Verstümmelten und Traumatisierten, Die nicht gelebten Leben sollen nicht verloren gehen und der Friede bewahrt bleiben.

Entstanden ist die Klanginstallation zunächst eher zufällig. Pfarrerin Vera Ostermayer erzählt: "Beim Stöbern in der Kirche haben wir am Ende des letzten Jahres in einem bisher unbeachteten Kämmerchen auf der Empore die alten Gedenktafeln mit den Namen der Gefallenen des ersten Weltkriegs wiedergefunden. Der erste Gedanke war: Die Namen sollten nun nicht mehr verloren gehen. Wir fotografierten die unhandlichen Tafeln ab und unser FOS-Praktikant Claudio Sittig tippte sie in eine Excel-Datei. Im Februar dieses Jahres setzten wir uns dann mit dem Probe-Ausdruck auf die winterkalte Empore, um die Datei mit den Tafeln zu vergleichen. Und dabei geschah etwas Merkwürdiges. Beim lauten Vorlesen der einzelnen Namen war plötzlich der ganze Kirchenraum von den Namen erfüllt und ich verspürte einen großen Verlust. So viele Lebensgeschichten, die mit dem eingetragenen Todesdatum für immer erloschen waren. Und mir war klar: Zumindest die Namen sollten noch einmal erklingen in diesem denkwürdigen Jahr - und damit war die Idee der Klanginstallation geboren. Mit Christian Krause, dem Gemeindediakon, hatte ich sofort einen Verbündeten und uns war klar: Es sollte kein Heldengedenken werden, sondern ein erinnerndes und mahnendes Projekt über die Schrecken des Krieges und den Verlust."

Ich habe am 28. Juli 2014 mittags die Klanginstallation gehört. Namen über Namen. Meist junge Männer im Alter zwischen 18 und 24 Jahren. Zwei Stunden saß ich da, im Inneren tief erschüttert über die Sinnlosigkeit eines Krieges, in dem scheinbar der Einzelne nicht zählt. Wenn aber jeder Mensch wertvoll ist, sein Leben, seine Kultur, seine Person, wenn der andere ihm Bruder und Schwester ist, dann verschwindet der "Krieg als Möglichkeit" immer mehr. Biblische Zwischenworte zeigten das kriegerische und mörderische Treiben des Menschen von Anfang an. Gleichzeitig aber auch die große Sehnsucht des Menschen nach Frieden. Die Klanginstallation ist noch mehrere Tage in Endlosschleife zu hören.


26.05.2014

Papst Franziskus: Rede in Yad Vashem

Die Rede von Papst Fanziskus in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem, anlässlich seines Besuches in Jsrael, hat mich sehr betroffen gemacht. Zum Nachlesen hier:

„Adam, wo bist du?“ (vgl. Gen 3,9).Wo bist du, o Mensch? Wohin bist du gekommen?
An diesem Ort, der Gedenkstätte an die Shoah, hören wir diese Frage Gottes wieder erschallen: „Adam, wo bist du?“ In dieser Frage liegt der ganze Schmerz des Vaters, der seinen Sohn verloren hat. Der Vater kannte das Risiko der Freiheit; er wusste, dass der Sohn verlorengehen könnte… doch vielleicht konnte nicht einmal der Vater sich einen solchen Fall, einen solchen Abgrund vorstellen! Jener Ruf „Wo bist du?“ tönt hier, angesichts der unermesslichen Tragödie des Holocaust wie eine Stimme, die sich in einem bodenlosen Abgrund verliert…

Mensch, wer bist du? Ich erkenne dich nicht mehr. Wer bist du, o Mensch, Wer bist du geworden? Zu welchem Gräuel bist du fähig gewesen? Was hat dich so tief fallen lassen? Es ist nicht die Erde vom Ackerboden, aus der du gemacht bist. Die Erde vom Ackerboden ist gut, ein Werk meiner Hände. Es ist nicht der Lebensatem, den ich in deine Nase geblasen habe. Jener Atem kommt von mir, er ist sehr gut (vgl. Gen 2,7).
Nein, dieser Abgrund kann nicht allein dein Werk sein, ein Werk deiner Hände, deines Herzens… Wer hat dich verdorben? Wer hat dich verunstaltet?Wer hat dich angesteckt mit der Anmaßung, dich zum Herrn über Gut und Böse zu machen? Wer hat dich überzeugt, dass du Gott bist? Nicht nur gefoltert und getötet hast du deine Brüder, sondern du hast sie als Opfer dir selber dargebracht, denn du hast dich zum Gott erhoben. Heute hören wir hier wieder die Stimme Gottes: „Adam, wo bist du?“ 

Vom Boden erhebt sich ein leises Stöhnen: Erbarme dich unser, o Herr! Du Herr, unser Gott, bist im Recht; uns aber treibt es die Schamröte ins Gesicht, die Schande (vgl. Bar 1,15). Ein Übel ist über uns gekommen, wie es unter dem ganzen Himmel noch nie geschehen ist (vgl. Bar 2,2). Jetzt aber, o Herr, höre unser Gebet, erhöre unser Flehen, rette uns um deiner Barmherzigkeit willen. Errette uns aus dieser Ungeheuerlichkeit.

Allmächtiger Herr, eine Seele in Ängsten schreit zu dir. Höre, Herr, erbarme dich! Wir haben gegen dich gesündigt. Du thronst in Ewigkeit (vgl. Bar 3,1-3). Denk an uns in deiner Barmherzigkeit. Gib uns die Gnade, uns zu schämen für das, was zu tun wir als Menschen fähig gewesen sind, uns zu schämen für diesen äußersten Götzendienst, unser Fleisch, das du aus Lehm geformt und das du mit deinem Lebensatem belebt hast, verachtet und zerstört zu haben.Niemals mehr, o Herr, niemals mehr! 
„Adam, wo bist du?“
Da sind wir, Herr, mit der Scham über das, was der als dein Abbild und dir ähnlich erschaffene Mensch zu tun, fähig gewesen ist. Denk an uns in deiner Barmherzigkeit.

Quelle: Radio Vatikan 26.05.2014

08.05.2014

Die Wüste weint


Eine alte Geschichte aus Nordafrika erzählt von einem Beduinen, der sich immer wieder der Länge nach auf den Boden legt und sein Ohr in den Wüstensand drückt. Stundenlang horcht er in die Erde hinein. Verwundert fragt ihn ein Missionar: „Was machst du da eigentlich auf der Erde?” Der Beduine erhebt sich und antwortet: „Freund, ich horche, wie die Wüste weint, sie möchte so gerne ein Garten sein!”

Was höre ich, wenn ich in mich hineinhöre? Höre ich Musik und Freudengesänge oder höre ich auch die weinende Wüste wie der Beduine, weil ich anders sein möchte? Weint die Wüste in mir, weil sie so gerne ein Garten voll blühendem Leben sein will? Leben, das seit meiner Kindheit angehäufte Verletzungen heilen lässt. Leben, das neue Chancen bekommt weil mir vergeben ist, durch mich selbst und durch andere. Leben, das neue Kraft findet, weil ich es immer besser lernen darf in mir stimmig zu sein und mein Reden und Handeln zusammenstimmt.


Am lautesten weint es in mir, wenn ich die Wüste bei anderen sehe und nicht erkenne, dass es meine eigene Wüste ist. Wie gerne möchte ich ein Garten sein der blüht und Frucht trägt. Ich hoffe und sehne mich mit der ganzen Schöpfung auf Erlösung und Befreiung von dem was in mir Wüste ist. 

08.04.2014

Gemeinschaft - so viel du brauchst


Ansprache zum Konvent 2014 (Christian Krause, kursiv Werner Sirch)
3.4.2014 St. Leonhardt in Nürnberg

Liebe Brüder, liebe Schwestern,

Gemeinschaft – so viel wir brauchen, das ist das Thema das uns heute bewegen will. Gemeinschaft, ein schwieriges Wort. Man sagt, dass der Mensch ein Gemeinschaftswesen ist, auf ein Gegenüber angewiesen.
Und doch, so denke ich, will und kann der Mensch auch allein leben. Es gibt immer mehr Singlehaushalte bei uns.
Der moderne Mensch will unabhängig sein, nicht so stark gebunden.

Die Bibel meint: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei …“

Es scheint also doch so zu sein, dass der Mensch auf Gemeinschaft angelegt ist.
Gott schenkt dem Menschen das Gegenüber nach dem er sich sehnt. Seine Frau und später eine Familie.Schon vor meiner Geburt bin ich in eine Gemeinschaft eingebunden …
…du denkst an deine Mutter?

Ja, und nach meiner Geburt werden es immer mehr und unterschiedlichere Gemeinschaften, je älter ich werde. Da sind meine Familie, die Eltern, die Geschwister – naja, auch der Hund und die Katze – und die anderen, die mich mögen oder ärgern.

Klar, der Kindergarten mit den Spielkameraden, die sich jetzt schon zu Konkurrenten entwickeln können, mit denen man so manchen Streit ausfechten muss; wo gelernt werden kann zu kooperieren oder sich durchzusetzen. Und da ist auch die geliebte Kindergärtnerin, die so viele schöne Dinge mit uns macht.

Und dann kam die Schule. Für mich ein Horror. Eigentlich war ich neugierig auf Neues. Vieles aber interessierte mich nicht. Zum Beispiel Schreiben, wenn mir dann wieder die Schiefertafel ausgeputzt wurde, weil meine Buchstaben krumm und bucklig waren. Das hat keinen Spaß gemacht. Oder: Gemeinschaft mit den Klassenkameraden, die mich ausgelacht haben, weil ich unsportlich war, die mich wegen meiner lockigen Haare als Negerbubi verspottet haben und regelmäßig nach der Schule verkloppten – alle auf einen. Hör mir auf mit Gemeinschaft – so hätte ich sie jedenfalls nicht gebraucht.
Gab es da nicht auch Dinge, die du gerne gemacht hattest? Gruppen wo du gerne hingegangen bist, wo du Spaß an der Gemeinschaft hattest, Freunde auf die du dich verlassen konntest?

Doch, natürlich. Die Musikgruppe, wo wir gemeinsam musiziert haben. Oder die Jugendgruppe in der Gemeinde, wo ich die Geschichten von Gott hören und mit den anderen spielen und basteln konnte.
Wie gings dir dann, als du in Rummelsberg angefangen hattest?

Wieder eine Gemeinschaft mit vielen verschiedenen Menschen. Eine Brüderschaft.Das war gar nicht witzig. Ich hatte viel Angst. Noch nie war ich zuvor allein so weit von zu Hause weg. Aber ich wollte gehorsam sein, weil mich Gott auf diesen Weg nach Rummelsberg geführt hatte. Da war eine Berufung, der ich nicht ausweichen konnte. - Und dann war hier wieder Schulde, die ich doch so sehr hasste, und eine Brüderschaft, die mir irgendwie suspekt war. Daheim hatte ich schon die Gemeinschaft mir vier Brüdern – und jetzt noch so viele dazu. Ein hoher Anspruch an mich, die Dienst-, Sendungs- und Lebensgemeinschaft, die mich in gewisser Weise auch überforderte.
Doch, das kann ich schon verstehen. Eigentlich wolltest du Diakon werden und für Gott in seiner Kirche arbeiten.Richtig!

Aber das ging nicht ohne die Brüderschaft. Die hatte aber für mich den Anspruch zum Inhalt, dass man seine Brüder lieben soll. „Liebt eure Brüder …“ steht in der Bibel. Aber die waren nicht immer zum lieben. (Manchmal hätte ich auch Feindesliebe gebraucht.) Ich hab mich ja oft selber nicht geliebt, da hätte ich Hilfe gebraucht. Es war eine raue Zeit.
Aber letztlich bist du doch in diese Brüderschaft hineingewachsen, mit all ihren Ansprüchen und den vielen guten Möglichkeiten.Stimmt! – Es gibt eben auch Wunder.

Ich versuche für mich zu verstehen:
Warum brauche ich Gemeinschaft?
• Damit ich nicht verhungere
• Damit ich nicht allein bin wenn ich mich fürchte
• Damit ich abschauen kann wie's Leben funktioniert (oder wie man's besser nicht macht)
• Damit ich mich entwickeln kann
• Damit ich erfahre: Du bist von Gott geliebt, angenommen, so wie du bist

Warum brauche ich die Rummelsberger Gemeinschaft, die Brüderschaft?
Brauche ich sie (wie das salopp manchmal gesagt wird) als
- effektive "Gewerkschaft", um Forderungen durchzusetzen?
- Stellenvermittlungsagentur?
- Ideenbörse?
- Vertretung und Hilfe in Konfliktfällen?

Liebe Schwestern und Brüder,
Lasst uns am heutigen Konventstag darüber nachdenken:
Warum und wozu ich Gemeinschaft brauche, Gemeinschaft mit den Brüdern und Schwestern  -  gerade weil ich einen geistlichen Beruf habe?
Darüber nachzudenken, darüber zu sprechen, ist, wie ich meine eine lohnende, bestimmt auch hilfreiche Aufgabe beim Konvent.

Zum besonderen unserer Brüderschaft, unserer Gemeinschaft gehört, und das ist gleichzeitig auch Auftrag an uns, wie es in der Apostelgeschichte 2, 42 geschrieben steht:

„Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet.“ Den Menschen, die uns anvertraut sind, das Evangelium, die frohe Botschaft zu verkündigen und das Heilige Abendmahl zu feiern. Und das wollen wir jetzt mit einander tun. Amen. 

25.02.2014

Konvent 2014 - erste Gedanken

Thema: Gemeinschaft -so viel du brauchst

Gedanken dazu (ziemlich persönlich)
Ist der Mensch ein Gemeinschaftswesen? - man sagt es wenigstens
Kann der Mensch auch allein leben? - die Singlehaushalte nehmen immer mehr zu
Die Bibel meint: "Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei ..." 1. Mos 2,18
- und dann: Gott sorgt für den Menschen schenkt im eine Frau, später eine Familie
Schon vor meiner Geburt bin ich in eine Gemeinschaft eingebunden - mit meiner Mutter
Nach meiner Geburt sind es unterschiedliche Gemeinschaften - sie werden immer mehr je älter ich werde
• Meine Familie (Eltern, Geschwister, Hund, Katze) - und die anderen, die mich mögen oder ärgern
• Der Kindergarten (die Spielkameraden, die Konkurrenten und die geliebte Kindergärtnerin)
• Die Schule (ich bin neugierig auf Neues und da sind die anderen, mit denen ich gemessen werde - die Feiglinge, die mich regelmäßig nach der Schule verkloppen - alle auf einen)
• Der Sportverein und die Musikgruppe (Sport ist Mord, Musik macht Spaß)
• Die Gemeinde mit der Jugendgruppe (ich höre die Geschichten von Gott, spiele und bastle mit anderen)
• Rummelsberg - eigentlich nicht das was ich wollte (schon wieder Schule) aber ich komme Gott (meiner Berufung) nicht aus. Und da ist die Brüderschaft (hab zu Hause schon vier Brüder und jetzt noch so viele Brüder dazu) mit hohem Anspruch: Dienst-, Sendungs- und Lebensgemeinschaft. - Muss ich diese Brüder lieben? Wie werden sie mit mir umgehen? Sind sie wirklich Brüder oder schon wieder Konkurrenten?
• (Später) Ehe (das Rundherumpaket), Dienstgemeinschaften usw. (aber darauf will ich jetzt nicht eingehen).

Ich versuche zu verstehen:
Warum brauche ich Gemeinschaft?
• Damit ich nicht verhungere
• Damit ich nicht allein bin wenn ich mich fürchte
• Damit ich abschauen kann wie's Leben funktioniert (oder wie man's besser nicht macht)
• Damit ich mich entwickeln kann
• Damit ich erfahre: Du bist von Gott geliebt, angenommen, so wie du bist

Warum brauche ich die Rummelsberger Gemeinschaft?
Brauche ich sie als
- effektive "Gewerkschaft", um Forderungen durchzusetzen?
- Stellenvermittlungsagentur?
- Ideenbörse?
- Vertretung und Hilfe in Konfliktfällen?

Nachdenken:
Warum und wozu brauche ich Gemeinschaft, Brüderschaft gerade in meinem geistlichen Beruf?
- darüber nachdenken, darüber sprechen ist, wie ich meine, lohnende, vielleicht auch hilfreiche Aufgabe beim Konvent.

Was erwartet die Gemeinschaft, die Brüderschaft von mir, dem Bruder?
- dass ich Verantwortung übernehme
- dass ich Gemeinschaft lebe, verbindlich bin, ansprechbar, sichtbar, engagiert
- dass ich meine Gaben für die Gemeinschaft, das Gemeinsame einbringe
Wie kann das praktisch für mich persönlich aussehen? Was darf ich ändern?


29.12.2013

Wach auf!

Predigt am 4. Advent 2013 in Fürth-St. Paul
22.12.2013

Jesaja 52,7-10

Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße der Freudenboten, die da Frieden verkündigen, Gutes predigen, Heil verkündigen, die da sagen zu Zion: Dein Gott ist König!
8 Deine Wächter rufen mit lauter Stimme und rühmen miteinander; denn alle Augen werden es sehen, wenn der HERR nach Zion zurückkehrt.
9 Seid fröhlich und rühmt miteinander, ihr Trümmer Jerusalems; denn der HERR hat sein Volk getröstet und Jerusalem erlöst.
10 Der HERR hat offenbart seinen heiligen Arm vor den Augen aller Völker, dass aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.


Liebe Gemeindeglieder,
liebe Schwestern und Brüder,

1. Vorwort – Wach auf

1 Wach auf, wach auf, Zion, zieh an deine Stärke! Schmücke dich herrlich, Jerusalem, du heilige Stadt! Mit diesem Weckruf beginnt das 52. Kapitel des Buches Jesaja, dem unser heutiger Predigttext entnommen ist. Ein Weckruf, die Mutlosigkeit abzuschütteln wie den Schlaf. Das Festgewand anzulegen, sich selbst und der eigenen Stärke wieder etwas zuzutrauen. Zu suchen was mich stark macht.

Die Worte dieses Weckrufs sind nicht Teil unseres heutigen Predigttextes. Trotzdem möchte ich ihn in die Predigt einbeziehen, weil ich viel Mutlosigkeit, geistliche Mutlosigkeit, in unserem Volk und in vielen Gemeinden sehe. Wir brauchen es, dass uns immer wieder Mut und Kraft zugesprochen werden, damit wir weitergehen können und uns nicht kraft- und mutlos einem traurigen Schicksal ergeben und ratlos zusehen, wie die Glaubenslosigkeit in unserm Volk weiter zunimmt.

Ratlos und traurig, so wie damals das Volk Israel, als es in babylonischer Gefangenschaft war. Alles war zerbrochen, der Staat Juda existierte nicht mehr, Jerusalem ist nur noch ein Trümmerhaufen. Dass es so gekommen ist, war nicht nur eine Frage der damaligen politischen Machtverhältnisse, sondern auch Gottes Gericht über sein abtrünniges Volk.

2. Diagnose

Manchmal überlege ich, wie ich den geistlichen Zustand unseres Volkes und unserer St. Paulsgemeinde beschreiben kann, ob er nicht auch so eine Antwort Gottes ist. Vieles scheint ein Trümmerhaufen zu sein – hier eine Gemeinde, die schwer in Bewegung zu bringen ist - dort ein Volk, das sich zunehmend von seinen geistlichen Wurzeln abwendet. Eine Gemeinde, die auf Distanz ist, die mutlos geworden ist und so manchen Mitarbeiter auch mutlos gemacht hat. Ein Volk, das sein Heil bei allen möglichen Göttern sucht. Am meisten schmerzt mich, dass unter uns so wenig Hunger nach Gottes Wort ist, dass wir nicht mehr hören wollen was uns Gott zu sagen hat. Die Folgen sind deutlich zu sehen. Im sozialen Miteinander und im Besuch der Gottesdienste, beide nehmen stetig ab. Die soziale Krise unseres Volkes, die sich in einer Ellenbogengesellschaft zeigt, hinterlässt schlimme Spuren im Engagement und der Verantwortung für andere, die sich den Nöten derer annimmt, denen es schlechter geht als mir. Es hat sich Gleichgültigkeit und nachlassende Opferbereitschaft breit gemacht. Es macht mich nachdenklich, dass 2007 bei der Frühjahrssammlung der Diakonie noch 429 Euro gegeben wurden, das sind 7 Cent pro Gemeindeglied, 2011 waren es gerade noch 87 Euro, (1 ½ Cent pro Gemeindeglied) 2012 und 2013 nichts mehr. Bei der Herbstsammlung waren es 2007 noch 135 Euro und 2013 gerade noch 30 Euro. Eine kranke, mutlose Gemeinde, die, in der Fürsorge und dem Engagement für andere, ihr müdes Gesicht zeigt. Natürlich, ich weiß, dass Sie, liebe Gemeindeglieder, sich hier und dort engagieren und ihr Scherflein an anderer Stelle geben. Warum nicht Ihrer Gemeinde, damit sie anderen beistehen kann, wie wir es von einer christlichen Gemeinde erwarten?

3. Die Boten

Und jetzt sind die Boten unterwegs. Auch die, die nach dem Gottesdienst mit dem Licht aus Bethlehem in die Häuser unterwegs sind. Die Boten sind unterwegs als Zeichen, dass doch noch nicht alles verloren ist. Sie haben eine Nachricht gegen alle Mutlosigkeit, gegen den Schlaf, den so mancher in unserer Südstadt schläft und damit überhört, dass auch für ihn die Nachricht gilt: „Wach auf, wach auf! Wir sind doch kein armseliger Haufen, der nichts mehr zuwege bringt. In uns ist Stärke und Kraft.“ Wir können etwas bewegen, das uns allen gut tut, das neue Hoffnung für die Zukunft schenkt und unseren Blick weglenkt von unseren Befindlichkeiten, dem Neid, der Missgunst, dem sofort beleidigt sein und dem ewig um sich selbst drehen.

Es ist eine freudige Nachricht, die uns die Boten verkündigen. Sie eilen, sie rennen um diese Nachricht in kürzester Zeit in alle Häuser zu bringen. Und diese Nachricht heißt: Gott kehrt zurück nach Jerusalem und das Volk kehrt mit ihm zurück in die Heimat, in die Stadt Gottes nach Jerusalem.

4. Gott kehrt zurück

Für uns, in der Südstadt, heißt diese freudige Nachricht: „Gott kehrt zurück“. Zu jedem von uns. In unseren Herzen und Häusern wird Friede sein. Was in uns, in unserer Gemeinde und in unseren Familien zerschlagen und krank ist, wird heil werden. Gott bekennt sich mit seiner Liebe zu uns. – Und diese Liebe zeigt sich auch durch die Hände derer, die an den liebenden Gott glauben und in seinem Namen zupacken.

Die freudige Nachricht heißt: „Gott kehrt zurück“. Gott wird an der ersten Stelle unseres Lebens stehen. Er ist der, der unser Leben bestimmt, an dem wir uns orientieren und nach seinem Willen unsere Entscheidungen treffen. Gott ist mein König.

„Gott kehrt zurück“, in unsere Gemeinde, schenkt ihr neues Leben. Es wird sichtbar werden, dass Gottes Liebe in ihr wohnt, die all ihr Tun und alles Engagement für andere bestimmt.
Wenn ich nur ein Prophet wäre, wie Jesaja, und das, dieser Gemeinde zusprechen könnte!

5. Fragen

So aber bleiben Fragen:
Unsere Gemeinde, ist sie hoffnungsfroh, dass Gott kommt und auch von ihr Besitz nimmt? Die Müdigkeit und Resignation heilt? Können wir das glauben? Wollen wir das? Höre ich Jubel und Freude weil Gott kommt?

Was höre ich? Nichts? Will ich es glauben oder fehlt mir der Glaube, dass Gott den Trümmerhaufen der Mutlosigkeit und Resignation unserer Gemeinde heilen kann?

Ich überlege, wie das Evangelium heißt das Gott unserer Gemeinde zusprechen müsste, das Evangelium, das mich elektrisiert und in Bewegung bringt? Wie heißt die frohe Nachricht, die unsere Gemeinde braucht, damit sie das Exil verlassen kann und wieder dahin kommt, wo Gottes Wort gepredigt wird und ihre triste Mutlosigkeit in Freude verwandelt wird?

6. Die Freudenboten


Was verkündigen die Freudenboten, die Prediger unserer Gemeinde, im Auftrag Gottes? Haben sie eine schlechte Botschaft, weil sie von einer großen Mehrheit dieser Gemeinde eher gemieden werden? Sind wir eine Gemeine, deren Mehrheit sich nicht sammeln will? Oder ist es eine langweilige Botschaft, eine Nachricht, die an der Realität unseres Lebens vorbeigeht, eine Botschaft die mich nicht betrifft? Warum will ich es nicht hören, wenn Gott mir sagt, dass er mich liebt, geliebt hat, noch bevor ich im Leib meiner Mutter war? Warum will ich es nicht hören, dass sich bei mir ändern darf, was mir die Ruhe und den Frieden da drinnen in meinem Herzen raubt.

Kehr um! Kehr um aus dem Exil, komm zurück aus der Gefangenschaft, damit Gott die Trümmer deines Lebens heilen kann. Das ist die Nachricht der Freudenboten. Komm zurück in die Gemeinschaft dieser Gemeinde, sie braucht dich. Gott will dich und die Trümmer dieser Gemeinde heilen.

Ich würde mir das so sehr wünschen, dass wir die traurige Distanz innerhalb verschiedener Gruppen unserer Gemeinde aufgeben könnten und uns gegenseitig zujubeln, dass wir diesen wunderbaren Gott haben, den König aller Könige, der uns durch Jesus zu seinen Kindern gemacht hat. Es schmerz mich, dass wir zur gleichen Zeit an unterschiedlichen Orten Gottesdienst feiern und nicht in der Lage sind gemeinsam zu feiern. Unsere Befindlichkeiten, unsere Vorbehalte sind groß, größer als unsere Sehnsucht nach Gemeinschaft mit denen, die auch zur selben Gemeinde gehören.

Dabei ist es eine dreifache gute Nachricht, die die Freudenboten dem Volk Gottes bringen und die uns allen gilt: Gott ist dein König! - Du bist mein Volk! - Tröstet, tröstet mein Volk!

7. Die gute Nachricht


Das sind heute unsere guten Nachrichten für unsere Gemeinde und für unser Volk:
Gott kommt! Gott kommt in die Trümmerhaufen unseres Lebens, so wie es damals der Prophet verkündet hat, dass Gott in die Trümmerhaufen des zerstörten Jerusalems kommt. Gott kommt! Das ist eine mächtige Botschaft gegen die Finsternis der noch existierende Mächte und Kräfte.

Die Wächter jubeln, sie dürfen die Zeugen der Ankunft Gottes sein. Noch sieht man die Ankunft Gottes nicht, aber man hört die Freudenrufe der Wächter. Die Freudenboten sind’s die es laut hinausschreien und Frieden verkündigen, Gutes predigen, Heil verkündigen, der Gemeinde sagen: Gott ist dein König! Und es wird der Tag kommen, wo wir ihn sehen werden, den wiederkommenden Jesus. Dann werden wir auf die Knie fallen und ihn, unseren Retter, anbeten – und es wird alles gut werden.

Lasst uns die Ohren aufmachen, damit wir die gute Nachricht hören und in unser Herz einlassen. Lasst uns bereit sein für sein Kommen. Lasst uns neugierig und hungrig nach Gott werden und nicht mehr am Sonntagmorgen zur Gottesdienstzeit im waren Bett liegenbleiben wollen, sondern hören was uns unser König zu sagen hat. Lasst uns Gemeinschaft haben mit ihm, der aus Liebe zu uns Mensch geworden ist, und mit denen, denen auch seine Liebe gilt.
Unsere Welt ist immer noch von Trümmerhaufen gezeichnet. Das Kommen Gottes ist unvollendet. Noch sind die Trümmerhaufen in unserem Leben vorhanden. Noch steht unsere vollkommene Heilung aus. Das wird erst am Ende der Zeiten sein, wenn Gott alles Neu macht, dann wenn das Böse überwunden ist und die Sünde keinen Raum mehr hat.

Es ist Gottes Erbarmen mit seinem Volk, das uns schon jetzt hineinnimmt in die Gotteskindschaft, auch wenn wir noch auf der Wanderschaft sind ihm entgegen. Gott ist mit uns auf dem Weg. Und wir dürfen anfangen, mit seiner Hilfe unsere Trümmerhaufen aufzuräumen. Er ist mit uns auf dem Weg dorthin, wo wir dann als Geheilte ihn schauen werden von Angesicht zu Angesicht. Amen.